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Forderungen der studentischen Vollversammlung des Fachbereichs Sozialökonomie am 17.2.21

Gerade in einer gesellschaftlichen Krise wie der aktuellen, braucht es aktive, kritische, eingreifende und problemlösungsorientierte Wissenschaft und mündige Persönlichkeiten, die sich wissenschaftlich mit der Welt befassen und gebildete Erkenntnisse über die Wissenschaftseinrichtungen hinaus verbreiten. Damit wir diese Aufgabe mit guten Bedingungen kollektiv bestreiten können, sind in der Stadt, an der Universität und am Fachbereich akute Veränderungen notwendig: 

  • Das Sommersemester muss in hybrider Form (insbesondere für Seminare) so stattfinden, dass alle Raumkapazitäten in allen Bereichen und Fächern bestmöglich ausgeschöpft werden, 
  • Digitale Veranstaltungen müssen zwingend Austauschformate (auch in Präsenz) enthalten, 
  • Bibliotheken, Mensen, selbstverwaltete Räume, Rechenzentrum und Arbeitsräume müssen ab sofort wieder für Studierende zugänglich sein; dafür ist die prinzipielle Aussperrung von Studierenden aus den Uni-Gebäuden zu beenden; zusätzlich müssen Möglichkeiten für Corona-Schnelltests geschaffen werden, 
  • Fehlversuche bei Prüfungen dürfen mindestens für dieses Semester nicht gezählt werden, 
  • Das Sommersemester soll nicht für die Regelstudienzeit gezählt werden, 
  • Es braucht sofort eine rückzahlungsfreie finanzielle Zuwendung für alle Studierenden in Höhe von 900€ pro Monat, 
  • Die Zahl der benoteten Prüfungsleistungen muss stark reduziert werden, 
  • Die Studienbüros (Servicedesk) müssen zu bestimmten Zeiten wieder öffnen, 
  • Die Teilnahme an der kommenden Orientierungseinheit in Präsenz muss für alle ermöglicht werden, 
  • Der gesamte Fachbereich Sozialökonomie soll sich am geplanten Themensemester „Ein New Deal für heute? Wie gestalten wir einen solidarischen und nachhaltigen Weg aus der Krise?“ beteiligen. 
  • Die öffentliche Finanzierung der Hochschule muss bedarfsgerecht erhöht werden (u.a. für mehr Personal in Verwaltung, akademischem Mittelbau und bauliche Veränderung). 

Das Forderungspapier findet ihr hier auch als pdf.

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Mail: fsr-sozoek@uni-hamburg.de | Telegram-Channel: https://t.me/fsrsozoekinfo | Twitter: https://twitter.com/OkFsr |
Facebook: https://www.facebook.com/Fsr-Sozial%C3%B6konomie-464067517104323 

 

Wahlaufruf zum Studierendenparlament und Akademischen Senat des FSR Sozialökonomie

Fachschafsräte sind ein zentraler Teil der studentischen Selbstverwaltung. Für eine progressive, solidarische Interessenvertretung aber, spielen das Studierendenparlament und der akademische Senat auch eine wesentliche Rolle. Daher möchten wir dazu auffordern von eurem Wahlrecht Gebrauch zu machen und selbst aktiv zu werden.

Die aktuelle Krise ist keine Naturkatastrophe. Sie macht vielmehr wie ein Brennglas deutlich wo die Probleme, in unserer aktuellen Gesellschaft liegen und bisher auch schon lagen. Wir sind vor die Herausforderung gestellt, eine neue Stufe von Kooperation und Gesellschaftlichkeit zu realisieren um die Verhältnisse zu überwinden, die diese Krise hervorgebracht haben. Dafür braucht es eine ausfinanzierte und lebendige Universität, an der ohne Selektion zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beigetragen wird.

Um die Auseinandersetzung darum zu führen, sind an der Universität demokratische Mitbestimmungsgremien erkämpft, von denen zwei aktuell zu wählen sind:

Das Studierendenparlament (StuPa) ist das wesentliche Organ der studentischen Interessensvertretung. Dieses Parlament wählt den allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), diskutiert und beschließt seine politischen Richtlinien und verfügt über den Haushalt der Studierendenschafft. Dabei ermöglicht es allen Studierenden regelmäßige gemeinsame Auffassungsbildung über Fachbereichs- und Fakultätsgrenzen hinweg Die Wahl war bis zum 04. Januar als Briefwahl möglich und wird als Urnenwahl vom 11.–15. Januar fortgesetzt.  Zum Wählen braucht Ihr nur euren Studierendenausweiß und könnt dann zu einem der Urnenstandorte gehen. (Mindestens im Audimax wird es eine Wahlmöglichkeit geben)

Der Akademische Senat (AS) ist das höchste Uni-Gremium. Es diskutiert Grundsatzfragen der Uni-Entwicklung und hat Beschlussrechte (z.B. zu Prüfungsordnungen, Mittelverteilung, Entwicklung der Uni etc.). Der AS ist aus Professor*innen, Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Mitgliedern des Technischen-, Verwaltungs- und Bibliothekspersonals zusammengesetzt. Die Wahl ist eine Briefwahl, bei der wir unsere studentischen Vertreter*innen für den AS wählen können. Die Wahlunterlagen sind euch inklusive eines freigemachten Rückumschlags vom Wahlamt zugeschickt worden. Die ausgefüllten Wahlunterlagen müssen bis spätestens 15. Februar 2021, 14.00 Uhr beim Wahlamt eingegangen sein. Das Wahlamt befindet sich im Mittelweg 177, Raum S 4058, 20148 Hamburg.

Für eine progressive Interessenvertretung halten wir als FSR folgende Aspekte für beachtenswert:

Gesellschaftlich verantwortliche Wissenschaft: Forschung, Lehre und Bildung muss im Sinne der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, denen sich die Universität Hamburg verpflichtet, dazu dienen die gesellschaftlichen Probleme zu rationalisieren und Lösungen für sie zu entwickeln. In dieser Pandemie hieße das, zu problematisieren, dass die bisherigen Lockdown-Maßnahmen sozial und gesundheitlich katastrophal sind, zu untersuchen wie Covid-19 in Australien, Neuseeland, Japan, Südkorea und Kuba bereits nahezu überwunden werden konnte, aber auch wie profitorientierte Produktionsverhältnisse und prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen diese Krise erst hergestellt haben. Die aktuelle Politik verschärft nämlich vor allem lange bestehende Krisen. Wissenschaft muss deshalb, woraufhin an diesem Fachbereich das Themensemester „Gesellschaftlichen Polarisierung in Zeiten von Corona“ bereits hinarbeitete, fragen, wie verbessern wir die Situation in unseren Krankenhäusern und Pflegeheimen? Wie setzen wir zur Überwindung der Arbeitslosigkeit Arbeitszeitverkürzung und Lohnausgleich durch? Wie schaffen wir eine öffentliche Daseinsvorsorge und bezahlbaren Wohnraum für alle? Und wie setzen wir nicht vereinzelt im Konsum, sondern gesellschaftlich der Klimakrise etwas entgegen?

  • Solidarsemester: Ein Solidarsemester sollte für ein Semester in dem nur digitale Lehre angeboten wird, von uns allen gefordert werden, da knapp 1/5 von uns keine adäquaten Arbeitsplätze in unseren Wohnungen haben bzw. keine adäquate technische Ausrüstung um am Digitalsemester teilzunehmen. Durch eben diese digitale Lehre werden Prüfungsdruck und individualisiertes Lernen in der sozialen Realität der Kontaktbeschränkung nun noch stärker zum studentischen Alltag. Zudem haben 40% aller Studierenden ihren Job verloren und stehen dadurch vor enormen finanziellen Problemen. Notwendige Reformen sind weniger Prüfungen mit mehr Versuchen, Bafög das zu Leben reicht, für alle und finanzielle Unterstützung für zusätzliche Aufwendungen durchs Online-Studium. Gegen Selektion und Konkurrenz braucht es eine Ausfinanzierung der gesamten Universität und ein Ende der Schuldenbremsenpolitik.
  • Präsenzsemester: Bildung braucht Präsenz. Die fortgesetzte Schließung der Universität Hamburg ist gesamt-gesellschaftlich extrem schädlich und aus Sicht des Infektionsschutzes nicht zu rechtfertigen. Lernen gelingt in Auseinandersetzung mit Anderen. Durch kontroverse Diskussionen können neue Erkenntnisse gebildet werden. Auch das gemeinsame Essen in der Mensa hat dafür Bedeutung. Das Online Semester dagegen vereinzelt und macht unkonzentriert. Auch haben viele Zuhause gar keinen geeigneten Arbeitsplatz.

Die in Präsenz durchgeführten Orientierungseinheiten des Wintersemesters, haben gezeigt, dass es möglich ist Präsenzlehre unter Einhaltung der Hygienekonzepte durchzuführen und dass wir Studierenden verantwortungsbewusst miteinander umgehen und es somit zu keinen Infektionen kam.

Deswegen sollte die Universität unter Beachtung der Hygienekonzepte die geplante Präsenzlehre des Wintersemesters durchführen, das Sommersemester mit möglichst viel Präsenzlehre planen und die Universitätsgebäude, wie z.B. die Bibliotheken schnellstmöglich, unter Einhaltung des Hygienekonzeptes, wieder öffnen.

 

Die Selbstdarstellungen der zum StuPa kandidierenden Listen findet ihr hier: https://www.stupa.uni-hamburg.de/archiv/03-wahlen/wahl-21-22/wahlzeitung.pdf

Eine Übersicht der Urnenstandorte für die StuPa-Wahl findet ihr auf unserer Webseite: https://fsr-sozialoekonomie.de/

Als FSR treffen wir uns jeden Mittwoch um 14 Uhr. Alle sind herzlich eingeladen dazu zu kommen! Schreibt gern eine Mail, wenn ihr dazu kommen möchtet: fsr-sozoek@uni-hamburg.de

Digitale Listenvorstellung zur Wahl des Studierendenparlaments 2020/21

Dienstag, 15.12.2020 um 18 Uhr – via ZOOM

Lernt die kandidierenden Listen und ihre Programmatik kennen und trefft eine informierte, aufgeklärte Wahlentscheidung

– Eure Wahl hat Bedeutung!

In den kommenden Wochen finden die Wahlen zum Studierendenparlament (StuPa) und zum Akademischen Senat (AS), den beiden höchsten Gremien der Studentischen und Akademischen Selbstverwaltung der Universität, statt. Gerade angesichts der durch Isolation erschwerten Bedingungen für demokratische Wahlen kommt der kollektiven Gestaltung der Universität durch ihre Mitglieder aktuell besondere Bedeutung zu. Als Fachschaftsräte und Teil der studentischen Interessensvertretung wollen wir deshalb dazu beitragen, dass alle Studierenden eine informierte, aufgeklärte Wahlentscheidung treffen und damit ihrer politischen Auffassung bewusst Ausdruck verleihen können.

Deswegen laden wir euch zu einer Vorstellung der kandidierenden Listen bei den Wahlen zum Studierendenparlament ein, bei der diese ihre Programmatik vorstellen können und ihr die Möglichkeit habt, die Kandidierenden kennenzulernen und Nachfragen zu stellen.

Wissenschaft, Bildung und ihre Einrichtungen entwickeln sich ständig weiter – und daran wirken die Gremien der Akademischen und der Studentischen Selbstverwaltung maßgeblich mit. Im StuPa diskutieren 47 studentische Parlamentarier*innen verschiedener (weltanschaulicher) Fraktionen über alle Belange der verfassten Studierendenschaft (VS), u.a. über die soziale Lage, eine solidarische (Studien-)Kultur und den Haushalt der VS, mit dem über die inhaltliche Ausrichtung ihrer Arbeit entschieden wird. Zudem wird aus der Mitte des Parlaments jedes Jahr ein neuer AStA gewählt, der die studentischen Interessen auch über den Campus hinaus vertritt.

Kurzum: Eure Wahl hat Bedeutung! Verantwortungsvolle Wissenschaft und gute Lehre hängt nicht zuletzt auch davon ab, welche Relevanz alle Hochschulmitglieder ihrer demokratischen Selbstverwaltung beimessen. Wir rufen deswegen dazu auf: Informiert euch, zum Beispiel bei der Listenvorstellung, und nutzt euer Wahlrecht!

Eure Vertreter*innen für AS und StuPa könnt ihr per Brief wählen (AS bis zum 15.02., StuPa bis zum 02.01.) – für das StuPa könnt ihr auch an den Urnen am Campus in der Woche vom 11. – 15.01. wählen.

Die Veranstaltung findet via Zoom statt: https://uni-hamburg.zoom.us/j/92297161400?pwd=cDFmazJ5VVJ 4OEVQa0lpMnBKMHdvdz09 (Webinar-ID: 922 9716 1400, Kenncode: 5.@=H?y)

*** Die Listenvorstellung wird veranstaltet durch die folgenden Fachschaftsräte *** Archäologie – Bewegungs- und Gesundheitswissenschaft – Chemie und Lebensmittelchemie – Erziehungswissenschaft – Holzwirtschaft – Lehramt – Medizin – Sozialwissenschaften – Sozialökonomie

Hier findet ihr den Flyer auch als pdf.

Solidarische Krisenlösung BILDEN – für die Öffnung der Hochschulen

Demonstration am Dienstag, 24.11.20 um 15 Uhr,
Joseph-Carlebach-Platz (beim Campus Von-Melle-Park)

 

Die fortgesetzte Schließung der Universität Hamburg ist aus Sicht des Infektionsschutzes nicht zu rechtfertigen und gesamt-gesellschaftlich extrem schädlich. Hochschulen sind keine Infektions-Hotspots! Im Gegenteil, sie stehen in der Verantwortung, zu einer humanen und solidarischen Lösung der Krise beizutragen. Mit erprobten Hygienekonzepten und einer erhöhten gegenseitigen Aufmerksamkeit sollte im Wintersemester deswegen möglichst viel in Präsenz stattfinden!

In der größten (Weltwirtschafts-)Krise seit 1929 braucht es dringender denn je ein Verständnis von kollektiver Macht, von Einmischung, von Entfaltung und eine Abkehr von Individualisierung und Ellenbogengesellschaft. Hochschulen spielen dafür genauso eine Rolle wie Kunst- und Kultureinrichtungen. Alles brauchen wir, um Solidarität zu bilden, um demokratisch Lösungen zu erarbeiten und um die erdrückende soziale Ungleichheit zu überwinden. An den Hochschulen müssen wir dringend diskutieren, wie wir die Situation in den Krankenhäusern und Pflegeheimen verbessern, wie wir zur Überwindung der Arbeitslosigkeit Arbeitszeitverkürzungen durchsetzen, wie wir dem Klimawandel begegnen und wie wir entgegen der sozial-ignoranten Durchhalte-Rhetorik einen sinnvollen Umgang mit der Pandemie entwickeln. Dafür spielt die Soziologie ebenso eine Rolle wie die Medizin, die Erziehungswissenschaft und die Physik, dafür brauchen wir intensiven Austausch und Begegnung in Präsenz sowie die entsprechenden sozialen Grundlagen.

Es geht deswegen auch nicht darum, zwischen Unterhaltung, systemrelevanter Tätigkeit und Menschenleben abzuwägen. Es geht darum, dass ein gutes Leben für alle längst möglich ist. Es geht darum, dass wir uns nicht länger abspeisen lassen mit einem prekären Status quo. Eine bessere, gerechte, friedliche und soziale Welt ist möglich und wir spielen eine Rolle dabei, sie zu erstreiten und zu verwirklichen. 

Wir fordern deswegen: 

  • die Ermöglichung und Erweiterung von geschützter Präsenz in den Hochschulen für Bildung und Lehre (siehe auch die Petition: https://t1p.de/4r01), 
  • für die Verbesserung der sozialen Grundlagen des Studiums 900 Euro monatlich als Vollzuschuss,
  • die Ausfinanzierung der Hochschulen sowie der öffentlichen Daseinsvorsorge

Hier findet ihr den Demo-Flyer auch als pdf und ein Plakat als pdf zur Kundgebung.

Offener Brief an das Präsidium der Universität Hamburg

Hier findet ihr einen Offenen Brief an das Präsidium der Universität Hamburg, der am 02.11.2020 von Lehrenden aus verschiedenen Fakultäten der Uni Hamburg unterzeichnet und am 03.11.2020 versandt wurde.

Nachdem am vergangenen Freitagabend durch das Präsidium äußerst kurzfristig und ohne Notwendigkeit allen geplanten (Teil-)Präsenzveranstaltungen eine Absage erteilt wurde, wird es auf diesem Weg dazu aufgefordert, entsprechend der geltenden SARS-CoV2-Eindämmungsverordnung sowie auf Grundlage der in den letzten Monaten entwickelten Hygieneschutzkonzepte die bereits geplanten Lehrveranstaltungen in (Teil-)Präsenz im vollen Umfang zu ermöglichen.

Um über den Kreis an 31 Erstunterzeichnenden hinaus Unterstützung für das Anliegen zu sammeln, die geplante Präsenzlehre im Wintersemester auch zu ermöglichen, haben wir aus dem Offenen Brief auch eine Petition bei openpetition.de erstellt, zu deren Unterzeichnung alle Unterstützer*innen des Anliegens herzlich eingeladen sind.

Sie ist hier zu finden: https://www.openpetition.de/petition/online/die-geplante-praesenzlehre-im-wintersemester-ermoeglichen

Hamburg, den 02.11.2020

„Die Mitglieder der Universität wollen die universitären Aufgaben in der Verbindung von Forschung und Lehre, Bildung und Ausbildung in wissenschaftlicher Unabhängigkeit erfüllen. Sie wollen zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft beitragen und Frauen und Männern gleichen Zugang zu Bildung und Wissenschaft eröffnen.“

(Leitbild der Universität Hamburg)

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Mitglieder des Präsidiums,

Hochschulen und Wissenschaft sind von Bedeutung für eine solidarische, nachhaltige Bearbeitung der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Analyse und rationale Argumentation sind hochwirksam gegen Angst, Fake-News, Verschwörungstheorien und Demagogie. Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung und die universitäre Gemeinschaft brauchen Begegnung, Bezugnahme, Diskussion, Mimik, Gestik, spontane Anregungen in einem gemeinsam – unter den aktuellen Bedingungen besonders sorgfältig – belebten Raum.

In den letzten Monaten ist viel Arbeit in die Erstellung von Schutz- und Hygienekonzepten für die Realisierung von Präsenzlehre investiert worden, mit denen sowohl die Einhaltung des Mindestabstands als auch die Erfassung von Kontaktdaten überall gewährleistet werden kann. So sind für Seminare mit 20-30 Teilnehmern Hörsäle mit mehreren Hundert Sitzplätzen beplant worden.

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Pandemie besteht in der sorgfältigen Realisierung von Lehre in Präsenz, von Lernen und Begegnung in den Hochschulen. Zudem sind diese Begegnungen das beste Mittel gegen Vereinsamung, Frustration und Stress. Wer die Gefährlichkeit der aktuellen Krise ernstnimmt, fördert die wissenschaftliche Arbeit in den Hamburger Hochschulen.

Die Wissenschaftssenatorin Fegebank führte auf der Pressekonferenz am 30.10.2020 in Bezug auf die Hochschulen aus: „Das heißt nach wie vor: so viel Präsenzlehre wie möglich, soviel digital wie möglich.“ [https://youtu.be/FKe90U0BcGs?t=792]

Solange Präsenzlehre an Hochschulen gemäß der Hamburger SARS-CoV2-Eindämmungsverordnung rechtlich zulässig ist, muss die Entscheidung über die Abhaltung von Präsenzveranstaltungen den Lehrenden überlassen bleiben. Dies gebietet schon das Grundrecht der Freiheit der Lehre (Art. 5 (3) GG; § 11 (1) HmbHG; vgl. dazu auch den Beschluss des Akademischen Senats in seiner 774. Sitzung am 23.04.2020, TOP 13).

Die Unterzeichnenden fordern das Präsidium der Universität in diesem Sinne dazu auf, die geplanten Präsenzveranstaltungen im vollen Umfang zu ermöglichen, selbstverständlich auf Grundlage der entwickelten Schutzkonzepte!

Mit freundlichen Grüßen

 

Die Antwort des Präsidium der Uni Hamburg findet ihr hier: https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2020/pm50.html

Und auch die Presse hat dazu bereits einiges berichtet:

https://www.rtl.de/cms/streit-um-lockdown-an-uni-hamburg-4644184.html

https://www.hamburg.de/nachrichten-hamburg/14569150/praesidium-weist-kritik-an-uni-lockdown-zurueck/

https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/dozenten-wehren-sich-gegen-digitales-semester-3224/

https://mobil.mopo.de/hamburg/professoren-protest-wissenschaft-und-lehre-in-hamburg-waehrend-corona-unwichtig–37577616

 

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/coronavirus/Hochschulen-Studieren-unter-Corona-Bedingungen,hochschulen172.html

Erklärung des FSR Sozialökonomie zur aktuellen Lage: Kritische Wissenschaft statt Autoritarismus

Albert Einstein wird folgendes Zitat zugesprochen: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder dasGleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Die ‚Corona-Krise‘ ist keine Naturkatastrophe, sondern eine gesellschaftliche Krise. Aktuell wird zugespitzt deutlich, was schon vorher ein Problem war. Als Wissenschaft(ler*innen) haben wir die Verantwortung, die sozialökonomischen und politischen Ursachen zu durchleuchten und für radikale Änderungen zu streiten, die die Krise lösen und für die Zukunft unmöglich machen. Die Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, denen wir uns als Hochschule verschrieben haben, steht mit größter Dringlichkeit auf der Tagesordnung.

Worin besteht die Krise? Was ist zu tun? Eine Diskussionseröffnung

Gesellschaftlich erleben wir zurzeit eine sehr dynamische Entwicklung, in der sowohl Gefahren als auchChancen liegen. Beides zu erkennen und zu bearbeiten, gilt es mit neuer Qualität zu unternehmen.

Wir haben es immer noch mit einem profitorientierten Gesundheitssystem und einer privatwirtschaftlichorganisierten Pharmaindustrie zu tun, welche bisher nicht in der Lage waren, Menschen vollumfänglich zu gesunden. Einem erhöhten Bedarf können sie folglich erst recht nicht gerecht werden. Auch sozial wird die zuvor bereits existenzbedrohende (und auch gesundheitsschädigende) Dimension von Armut undPrekarität zugespitzt und neu deutlich. Notwendig sind dagegen bedarfsgerechte Investitionen und die Demokratisierung von Gesundheitswesen, sozialer Sicherung und Beschäftigungsverhältnissen.Ökonomisch stehen wir derzeit vor einer dramatischen Verwertungskrise, die in der Folge zu massiven Nachfrageeinbrüchen führen wird. Selbst Vertreter neoliberaler Politik wie Scholz und Macron stehen mittlerweile unter dem Druck, Abstriche zu machen beim freien Markt (Schuldenbremse „aussetzen“ und Privatisierungskritik), was deutlich macht, dass die schon lange geforderte menschengemäße Neuorganisierung im Gemeinwesen über diese Zugeständnisse hinaus lange möglich und nötig ist.Dennoch beantwortet die herrschende Politik ihre Legitimationskrise mit restriktiven Maßnahmen und Autoritarismus.

Anstatt flächendeckende Tests und sozial gesicherte Quarantäne bei einer Infizierung zu organisieren,wird das gesellschaftliche Leben für Alle massiv eingeschränkt, bis vollständig abgesagt. Die Bewältigung der Krise soll somit wieder – und noch einmal zugespitzt – eigenverantwortlich und individualisiert vonstattengehen. Dies führt zu einer Privatisierung der realen Krisenursachen und auchzu einer massiven Vereinzelung. Dabei trifft diese unverhältnismäßige totale Isolation diejenigen amstärksten, die bereits prekär sind und führt damit zu einer zusätzlichen Verschärfung der sozialen Lage: Große Teile der staatlich organisierten Sozialhilfe, und auch zivilgesellschaftliche Einrichtungen werden infrage-, wenn nicht eingestellt. Selbst vor spontaner Unterstützung oder Gesprächen soll man auf der Hut sein. Nicht nur werden dadurch die Mitmenschen – anstatt des Virus – zum Feind gemacht, auch dasmenschliche Sein wird auf Nahrungsaufnahme, Toilettenpapier und Lohnarbeit reduziert. DieGrundrechte – eine Konsequenz aus der Befreiung vom deutschen Faschismus – derVersammlungsfreiheit, Freizügigkeit, Wissenschaftsfreiheit, Berufsfreiheit, des Asyls etc. werden imEiltempo und auf rechtlich nicht vorhandener Grundlage bis zur Unkenntlichkeit eingeschränkt bzw.untergraben und als Luxus dargestellt. Auf dieser hergestellten Ohnmacht und Vereinzelung können dieRechten gefährlich ihre braune Suppe kochen und den „starken Mann“ bzw. „die Nation“ als vermeintlichLösung in Stellung bringen.

Inwiefern das sogenannte Social Distancing zur Gesundhaltung und -werdung Aller beitragen soll, ist damit mehr als in Frage gestellt. In der Salutogenese ist die Handhabbarkeit, Verstehbarkeit und Sinngebung der subjektiven und kollektiven Lebensgestaltung die zentrale Grundlage für Genesung.Aufgeklärtes, demokratisches Leben in sozialer Sicherheit (unter Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen) ist also die zentrale Stellschraube zur Bekämpfung des Virus. Deswegen sind politische Verständigung, eingreifende Wissenschaft und Demokratie als Alltagsprinzip in Zivilgesellschaft und Produktion das Gebot der Stunde.

Viele dieser Fragen werden am Fachbereich Sozialökonomie bereits bearbeitet und müssen dringendintensiv(er) diskutiert werden. Deswegen fordern wir den Unibetrieb so bald wie möglich wiederaufzunehmen, damit unsere wissenschaftliche Tätigkeit nunmehr real zur Erklärung und Lösung derKrise beitragen kann. In der kommenden Zeit muss es in der Einheit von Forschung und Lehre darum gehen, zu diskutieren, was sich dafür gesellschaftlich ändern muss. Dass das möglich ist, sehen wir anden beiden Themensemestern zu Austeritätspolitik und dem Pflegenotstand, die der Fachschaftsrat in denvergangenen Jahren (mit)organisiert hat. Ein Zurück zur Normalität kann es nicht geben, denn sie ist es,die uns diese Misere beschert hat. Deswegen heißt es auch an der Uni: Nutzen wir jetzt die Gelegenheit, in allen möglichen Forschungs- und Lehrzusammenhängen an sozialökonomischen Perspektiven inZeiten massiver gesellschaftlicher Polarisierung zu arbeiten und dafür das diesjährige Themensemesterzur Hauptaktivität der kommenden Zeit zu machen. Nie war es wichtiger, als Mitglieder der Universität „zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft“ (Leitbild UHH) beizutragen!

Um in diesem Sinne als Hochschulmitglieder wirken zu können, brauchen wir entsprechende soziale unddemokratische Bedingungen. Als Hochschule haben wir die Verantwortung, die soziale Sicherheit allerMitglieder in den Blick zu nehmen. Von der dauerhaften Bezahlung unserer Kolleg*innen im Wachdienstund der Aussetzung der Zahlung von Miete und Semesterbeitrag, über die Vertragsverlängerung vonTutor*innen, SHKs und Lehrbeauftragten, bis hin zu einer generellen Grundsicherung für Studierende istjetzt viel zu tun. Den verhängten universitären Ausnahmezustand in Form von autoritärer Krisenstab-Politik gilt es zugunsten demokratischer, mitgliedergruppenübergreifender Verständigung auf allenEbenen zu beenden. Die demokratischen Gremien (Fachbereichs- und Fakultätsrat,Fachgebietsausschüsse und der Ausschuss für Studium und Lehre) müssen dafür in höherer Taktungtagen. Denn wir brauchen die Klugheit aller.

Hier findet ihr die Stellungnahme auch als pdf.

Orientierungseinheit der Sozialökonomie zum Sommersemester 2020

Die Orientierungseinheit für alle neuen Studierenden des B.A. Sozialökonomie im Sommersemester 2020 findet in der Woche vor dem offiziellen Beginn der Vorlesungszeit statt: Mo. 23.03.2020 bis Freitag 27.03.2020.

Beginn: 23.03.2020 um 10:00 Uhr, Hörsaal im Von-Melle-Park 9
Eine Anmeldung oder Abmeldung ist NICHT erforderlich!

Die Orientierungseinheit soll Studienanfängerinnen und Studienanfängern die Orientierung an der Universität und den Einstieg ins Studium erleichtern.
Innerhalb von einer Woche wird den Studienanfängerinnen und Studienanfängern vermittelt, was für einen erfolgreichen Start ins Studium wichtig ist. Die Kerninhalte der OE sind folgende: Studienaufbau und Studienorganisation, Besonderheiten der Sozialökonomie und Möglichkeiten der Mitgestaltung uvm. 
Die Orientierungseinheit soll auch einen Raum schaffen, um die neuen Kommiliton*innen kennenzulernen. In der OE wird viel Wert daraufgelegt, dass die Erstsemester*innen sich selbst, den Fachbereich und die studentische Kultur kennenlernen und ein soziales Netz spinnen können. Damit das auch gelingen kann, werden viele Möglichkeiten des Austauschs geschaffen, sowie ein Kneipenabend und ein gemeinsamer Wochenausklang angeboten.

Zeitrahmen: Montag bis Freitag: ca. 10:00 – 17:00 Uhr; zusätzlich werden gemeinsame Aktivitäten am Mittwoch- und Freitagabend angeboten. Es wird empfohlen, an der kompletten Woche teilzunehmen.

HINWEIS: Damit die Einteilung in Kleingruppen erfolgen kann, sollten alle OE-Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf jeden Fall am Montag um 10:00 Uhr anwesend sein.

Fragen oder Anregungen sind willkommen und zu richten an das Team der studentischen Koordination (Koordination.OE@gmail.com).

Euer Tutor*innen-Team der OE SoSe 2020

Start des Themensemesters „Sozialökonomische Perspektiven in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung“

Auch dieses Jahr veranstaltet der Fachschaftsrat Sozialökonomie wieder gemeinsam mit dem Fachbereich ein Themensemester. Es sind alle herzlich eingeladen sich daran zu beteiligen und mit zu diskutieren! Dieses Jahr wollen wir uns mit den Ursachen und Folgen gesellschaftlicher Polarisierung auseinandersetzen und uns fragen, welche Antworten sich darauf aus einer sozialökonomischen Analyse finden lassen.

Warum beschäftigen wir uns mit gesellschaftlicher Polarisierung und was bedeutet das genau?

Als Gesellschaft befinden wir uns aktuell in einer multiplen Krise, die bestehende gesellschaftliche Schieflagen vertieft und neue Polarisierungen schafft. Befeuert durch globale Konkurrenz, sogenannte Finanzkrisen und Austeritätspolitik steigt der Vermögensunterschied zwischen den reichsten und ärmsten Teilen der Weltbevölkerung weiter rasant an. In diesem profitgetriebenen weltwirtschaftlichen Umfeld spitzt sich auch die Klimakrise weiter zu. Während die Regierungen der Industrienationen hinter ihre Klimaziele zurückfallen, fordern soziale Bewegungen eine soziale und ökologische Politikwende, ein sofortiges Ende der Kohleverstromung und eine Demokratisierung der Wirtschaft. In dieser allgemein krisenhaften Weltlage gewinnen rechte Kräfte zunehmend an Zustimmung, ob Trump in den USA, Bolsonaro in Brasilien oder die AfD. Durch ihre rechte Hetze und ihre auf Ausgrenzung gerichteten Nationalismen tragen sie zu einer weiteren Verschärfung der Krisen bei.

Doch nicht nur die Problemlagen spitzen sich weiter zu, auch die sozialen Bewegungen, die für eine progressive Veränderung kämpfen, werden lauter. Bei Großdemonstrationen wie „Unteilbar“ und Aktionen im Rahmen der Fridays for Future Bewegung gehen bundesweit hunderttausende Menschen gegen Rassismus, Sozialstaatsabbau und Umweltzerstörung, für eine gerechte, solidarische und nachhaltige Zukunft auf die Straße. Insgesamt stehen wir als Gesellschaft und Wissenschaft damit an einem Scheideweg: leisten wir einen Beitrag „zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft“ (siehe Leitbild der UHH) oder geben wir uns mit dem Status quo zufrieden und tragen so zu einer fortschreitenden Polarisierung bei.

Im Rahmen des Themensemesters wollen wir uns deswegen fragen, wie genau die globalenPolarisierungsprozesse auf sozialökonomischer, politischer und kultureller Ebene miteinander zusammenhängen und wie wir als Fachbereich Sozialökonomie zur Lösung dieser Fragen beitragen können. So wollen wir uns beispielsweise der Frage widmen, wie die neoliberale Politik der vergangenen Jahrzehnte mit dem Aufstieg rechter Kräfte zusammenhängt und dies exemplarisch am Zusammenhang des Aufstiegs der AfD in Ostdeutschland und der Treuhandpolitik diskutieren. Dabei wollen wir immer wieder sowohl die Rückbindung zu den globalen Zusammenhängen als auch zur eigenen wissenschaftlichen und hochschulpolitischen Praxis herstellen.

Wie geht es weiter mit dem Themensemester und welche Rolle spiele ich dabei?

Ziel des Themensemesters soll es sein, diese Fragen in den kommenden beiden Semestern am Fachbereich zu diskutieren und die Fragen insbesondere im Sommersemester 2020 auch in den Lehrveranstaltungen zu verankern. Im Wintersemester wird es dafür bereits verschiedene Podiumsdiskussionen geben, die sich mit einzelnen Aspekten der skizzierten Problemstellung beschäftigen und damit zur Vorbereitung auf die vertiefte Diskussion im Sommersemester beitragen sollen. Alle Lehrenden und Studierenden sind deswegen aufgerufen, sich in den Lehrveranstaltungen mit diesen Fragen auseinander zu setzen und dafür den nötigen Raum einzuräumen und einzufordern!

Gemeinsam wollen wir diese Fragen angehen und Perspektiven zur Überwindung der multiplen Krise erarbeiten. An der Universität haben wir dafür die besten Bedingungen!

Bei Interesse und Rückfragen wendet euch gerne an: fsr-sozoek@uni-hamburg.de

Hier findet ihr den Ankündigung auch als pdf.

Bernd Lucke: ein gesellschaftliches Prinzip im Verfall

Koordinierungstreffen für weitere Aktivitäten: 
am Dienstag, den 29.10.2019 um 18 Uhr im Syntagma, Von-Melle-Park 5

Zu Beginn des Wintersemesters nimmt AfD-Gründer Bernd Lucke seine Lehrtätigkeit als VWL-Professor an der Universität Hamburg wieder auf. Er kehrt damit an eine fortschrittliche Universität zurück. Als Mitglieder haben wir uns der Realisierung der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen verschrieben. Wir engagieren uns für die Überwindung der Schuldenbremsenpolitik in Hochschule und Stadt und darüber hinaus. Die Uni ist vom Salvador-Allende-Platz über das Sozialökonomie-Wandbild und die Gedenkplakette zur Weißen Rose im Audimax bis zu den nach Antifaschist*innen benannten Hörsälen im ESA ein Ort widerständigen tätigen Erinnerns. In Zeiten ökonomischer Rezession, der Klimakrise und politischen Legitimitätsverlustes neoliberaler Parteien, greifen wir als Hochschulmitglieder gesellschaftsverantwortlich ein. Die Positionen eines Bernd Lucke sind dagegen im engsten Wortsinn reaktionär und verdienen unsere souveräne Zurückweisung.

Mit Solidarität gegen das „Prinzip Lucke“

Bernd Lucke repräsentiert eine ökonomische Glaubenslehre an die heilige Kraft des Marktes und das deutsche Unternehmertum, sowie ein biedermeierliches Menschen- und preußisches Erziehungsbild.
Die Verbindung von klassischen Marktradikalen wie Bernd Lucke und autoritären Rechten in der AfD war und ist kein Zufall, sondern entspringt der gemeinsamen Anbetung von Auslese und Unterwerfung in Form von kulturell determiniertem Rassismus, Leistungsethos, Standortkonkurrenz, Gewerkschafts- und Demokratiefeindlichkeit sowie Autoritarismus. Außerdem braucht neoliberale Politik dringend ideologische Absicherung: „Die extreme Rechte unternimmt in ihren Programmen, Heimat und Nation mit radikalem Markt und ungehindertem Wettbewerb zu verbinden. Die soziale Sicherheit des Wohlfahrtsstaates soll durch das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Volks- und Kulturgemeinschaft ersetzt werden. Faschistische Gemeinschaftsideologie – wenngleich stark geläutert und sprachlich modernisiert – dient also dazu, die materielle Sicherheit durch überhöhte Geborgenheitsgefühle ersetzen zu wollen“ (Schui 1997, S. 16). Die gleiche Funktion nimmt die Familie als „Keimzelle der Gesellschaft“ (AfD-Programm) ein. Sie soll als vermeintlicher Rückzugsort die Härten des (entfesselten) Konkurrenzkampfes ausgleichen und uns alle auf die Jagd nach dem privaten Glück statt gesellschaftlichem Wohlergehen schicken.

Die Positionen eines Bernd Lucke sind der zugespitzte Ausdruck der neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte. Damit repräsentiert er ein gesellschaftliches Prinzip, das zur tiefsten Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs und zum Erstarken der extrem Rechten geführt hat. Um die aktuelle gesellschaftliche Großkrise zu überwinden, streiten wir in Gegnerschaft zum Prinzip Lucke für die Verwirklichung einer „Welt des Friedens und der Freiheit“ (Schwur der befreiten KZ-Häftlinge von Buchenwald). Dazu braucht es emanzipatorischer Sozialstaatlichkeit und einer Demokratisierung der Wirtschaft sowie dafür eingreifender Forschung und der Bildung mündiger Persönlichkeiten an den Hochschulen.

Dies hat Bernd Lucke seit jeher bekämpft, nicht erst mit der Gründung der AfD. Er trat aus Protest gegen Willy Brandts Entspannungspolitik der CDU bei, beteiligte sich als „Treuhand-Experte“ an der Deindustrialisierung der DDR und initiierte 2005 – angesichts millionenfachen Protestes gegen Hartz IV – mit seinen Hamburger Kollegen Michael Funke und Thomas Straubhaar den „Hamburger Appell“. Dieses von über 250 deutschen VWL-Professor*innen unterzeichnete neoliberale Propaganda-Papier richtete sich explizit gegen die Stärkung gesamtwirtschaftlicher Nachfrage durch Lohnerhöhungen und staatliche Investitionen.

Keynes statt Hayek

„So gefährdet die Politik mit der Schuldenbremse, dass die Universität ihrer Verantwortung, an einer ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigen Entwicklung zu arbeiten, nachkommen kann. Damit schadet diese Politik allen. Im Unterschied dazu hatte Prof. Dr. Florian Schui […] aufgezeigt, dass gerade Phasen hoher Spitzen-, Vermögens- und Gewinnsteuern verbunden mit investiver sozialer Staatstätigkeit die gesellschaftliche bzw. die positive wirtschaftliche Entwicklung begünstigen.“ (Beschluss Akademischer Senat UHH, 28. Juni 2018 in Auswertung des Dies Academicus)

Zur Verteidigung von Unternehmensinteressen schieben Lucke und Co. im Hamburger Appell die Schuld an der Krise den Arbeiter*innen zu: „Die unangenehme Wahrheit besteht deshalb darin, dass eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage nur durch niedrigere Entlohnung der ohnehin schon Geringverdienenden, also durch eine verstärkte Lohnspreizung, möglich sein wird. Eine Abfederung dieser Entwicklung ist durch verlängerte Arbeitszeiten, verminderten Urlaubsanspruch oder höhere Leistungsbereitschaft möglich.“ Zur „Konsolidierung der Staatsfinanzen“ seien „weitreichende Einschnitte in allen Bereichen der öffentlichen Ausgaben“ nötig. Die Schuldenbremse lässt grüßen.

Dementgegen muss der gesellschaftlich erarbeitete Reichtum auch allen zugutekommen- Für gute Arbeit, soziale Sicherheit und ökonomische Vernunft. In der VWL bedeutet das vor allem ein Ende der neoklassischen Monokultur. Schluss mit Hayek, her mit Keynes und Marx. Für eine (mindestens) Plurale Ökonomik!

Bildung mündiger Persönlichkeiten statt Erziehung zur Unterwerfung

„Ziel universitärer Lehre ist es, Bildung durch Wissenschaft zu ermöglichen. Das schließt die Aufgabe ein, alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Studierenden hohe wissenschaftliche Kompetenz erwerben, ihre Fähigkeiten selbsttätig entfalten und sich als mündige Mitglieder der Gesellschaft weiterentwickeln können, die bereit und in der Lage sind, an deren sozial und ökologisch nachhaltiger, demokratischer und friedlicher Gestaltung maßgeblich mitzuwirken und für ihre Zukunftsfähigkeit Verantwortung zu übernehmen.“ (Leitbild universitärer Lehre der UHH)

Lucke hingegen, der Bildung und Ausbildung lediglich als „wichtige Standortfaktoren“ begreift, meint im Hamburger Appell, dass Defizite an Hochschulen nicht mit „verbesserter Mittelausstattung im Bildungswesen“ behoben werden können. Es werde übersehen, „dass große Fortschritte allein durch vermehrten Ansporn zu Fleiß, Wissbegier und strenger Leistungsorientierung erzielt werden könnten“.

Mit dem aggressiven Menschenbild wird uns eingeredet, allen gehe es nur um den eigenen Vorteil und Konkurrenz steigere die Produktivität. Weil die Natur des Menschen aber seine Gesellschaftlichkeit ist, wird diese uns im Studium mit großem Aufwand auszutreiben versucht. Mit Einführung und Verknappung von Masterplätzen, Prüfungsmarathon und Modulfristen folgt das Bachelor-Master-System dem Prinzip der Konkurrenz. Im Interesse von Unternehmen soll das Studium ausschließlich dazu dienen, hochqualifizierte Lohnabhängige zu schaffen. Im VWL-Studium bedeutet das u.a. das Verbannen von Keynes, Marx und Co., quasi keine Gestaltungsfreiheit (Luckes Makro-Vorlesung ist ein alternativloser Pflichtkurs) und eine Top-Down-„Lernkultur“.

In Gegnerschaft zur Arbeitsmarktorientierung muss es im Studium darum gehen, sich kooperativ den gesellschaftlichen Problemen zu widmen und zu ihrer theoretisch-praktischen Lösung beizutragen.

Antifaschismus, nicht totaler Markt!

Nie wieder sollen Bildung und Wissenschaft aus Neid, Konkurrenz und Vorurteilen, aus Gleichgültigkeit, Ressentiment und Opportunitätsdenken mitverantwortlich werden an Ausgrenzung, Verfolgung, Mord und Krieg. Frieden, Gerechtigkeit und Humanität sollen Reflexion, Diskurs und gesellschaftliche Praxis der Universität nachhaltig orientieren. Weltoffenheit, Inklusion und Demokratie sollen ihre Kultur prägen. Wir erinnern, für ein besseres Leben.“ (Beschluss des Akademischen Senats der UHH zum Erinnern an die Reichspogromnacht, 13.10.2016)

Aufklärung über die neoliberalen Mythen als kollektive Selbstbefreiung, Solidarisierung statt Spaltung und Vereinzelung sowie der Kampf für den Ausbau von Sozialstaatlichkeit (auch als Austrocknung des Nährbodens der Rechten) sind die Alternative zum „Prinzip Lucke“. Luckes Rückkehr an die Uni Hamburg sollten wir also zum Anlass nehmen, unser progressives Engagement für eine Hochschule der Nachhaltigkeit auszubauen, der neoliberalen Politik („Schuldenbremse“) den Todesstoß zu versetzen und die Verfasste Studierendenschaft als Ganzes wieder als gesellschaftliche Akteurin zu rekonstruieren.

Daher laden wir alle Interessierten ein zu einem Koordinierungstreffen der Aktivitäten gegen das „Prinzip Lucke“. Wir treffen uns am Dienstag, den 29. Oktober 2019, um 18.15 Uhr im übergreifenden Fachschaftsbüro „Syntagma“ (Von-Melle-Park 5, neben HasPa-Café). Bisherige Ideen sind die Vorstellung des aktuellen Jahresgutachtens des MEMORANDUMS Alternative Wirtschaftspolitik, Go-Ins in Luckes Vorlesungen, eine Veranstaltung zum Zusammenhang von neoliberaler und extrem rechter Theorie, weitere Aufklärung und ein neuer Anlauf zur Reform des Studiums.

Weitere Informationen
– Herbert Schui und Stephanie Blankenburg et al., „Wollt ihr den totalen Markt?“, 1997
– MEMORANDUM der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (jährliche Gegengutachten zu den Wirtschaftsweisen der Bundesregierung): www.alternative-wirtschaftspolitik.de
– Rainer Volkmann, „Vom Verlust des Politischen – VWL in unserer Zeit“, Vorlesungsaufzeichnung, 2012. Zu finden auf: www.lecture2go.de

Das Flugblatt Findet ihr hier auch als pdf.