Aktuelles

Start des Themensemesters „Sozialökonomische Perspektiven in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung“

Auch dieses Jahr veranstaltet der Fachschaftsrat Sozialökonomie wieder gemeinsam mit dem Fachbereich ein Themensemester. Es sind alle herzlich eingeladen sich daran zu beteiligen und mit zu diskutieren! Dieses Jahr wollen wir uns mit den Ursachen und Folgen gesellschaftlicher Polarisierung auseinandersetzen und uns fragen, welche Antworten sich darauf aus einer sozialökonomischen Analyse finden lassen.

Warum beschäftigen wir uns mit gesellschaftlicher Polarisierung und was bedeutet das genau?

Als Gesellschaft befinden wir uns aktuell in einer multiplen Krise, die bestehende gesellschaftliche Schieflagen vertieft und neue Polarisierungen schafft. Befeuert durch globale Konkurrenz, sogenannte Finanzkrisen und Austeritätspolitik steigt der Vermögensunterschied zwischen den reichsten und ärmsten Teilen der Weltbevölkerung weiter rasant an. In diesem profitgetriebenen weltwirtschaftlichen Umfeld spitzt sich auch die Klimakrise weiter zu. Während die Regierungen der Industrienationen hinter ihre Klimaziele zurückfallen, fordern soziale Bewegungen eine soziale und ökologische Politikwende, ein sofortiges Ende der Kohleverstromung und eine Demokratisierung der Wirtschaft. In dieser allgemein krisenhaften Weltlage gewinnen rechte Kräfte zunehmend an Zustimmung, ob Trump in den USA, Bolsonaro in Brasilien oder die AfD. Durch ihre rechte Hetze und ihre auf Ausgrenzung gerichteten Nationalismen tragen sie zu einer weiteren Verschärfung der Krisen bei.

Doch nicht nur die Problemlagen spitzen sich weiter zu, auch die sozialen Bewegungen, die für eine progressive Veränderung kämpfen, werden lauter. Bei Großdemonstrationen wie „Unteilbar“ und Aktionen im Rahmen der Fridays for Future Bewegung gehen bundesweit hunderttausende Menschen gegen Rassismus, Sozialstaatsabbau und Umweltzerstörung, für eine gerechte, solidarische und nachhaltige Zukunft auf die Straße. Insgesamt stehen wir als Gesellschaft und Wissenschaft damit an einem Scheideweg: leisten wir einen Beitrag „zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft“ (siehe Leitbild der UHH) oder geben wir uns mit dem Status quo zufrieden und tragen so zu einer fortschreitenden Polarisierung bei.

Im Rahmen des Themensemesters wollen wir uns deswegen fragen, wie genau die globalenPolarisierungsprozesse auf sozialökonomischer, politischer und kultureller Ebene miteinander zusammenhängen und wie wir als Fachbereich Sozialökonomie zur Lösung dieser Fragen beitragen können. So wollen wir uns beispielsweise der Frage widmen, wie die neoliberale Politik der vergangenen Jahrzehnte mit dem Aufstieg rechter Kräfte zusammenhängt und dies exemplarisch am Zusammenhang des Aufstiegs der AfD in Ostdeutschland und der Treuhandpolitik diskutieren. Dabei wollen wir immer wieder sowohl die Rückbindung zu den globalen Zusammenhängen als auch zur eigenen wissenschaftlichen und hochschulpolitischen Praxis herstellen.

Wie geht es weiter mit dem Themensemester und welche Rolle spiele ich dabei?

Ziel des Themensemesters soll es sein, diese Fragen in den kommenden beiden Semestern am Fachbereich zu diskutieren und die Fragen insbesondere im Sommersemester 2020 auch in den Lehrveranstaltungen zu verankern. Im Wintersemester wird es dafür bereits verschiedene Podiumsdiskussionen geben, die sich mit einzelnen Aspekten der skizzierten Problemstellung beschäftigen und damit zur Vorbereitung auf die vertiefte Diskussion im Sommersemester beitragen sollen. Alle Lehrenden und Studierenden sind deswegen aufgerufen, sich in den Lehrveranstaltungen mit diesen Fragen auseinander zu setzen und dafür den nötigen Raum einzuräumen und einzufordern!

Gemeinsam wollen wir diese Fragen angehen und Perspektiven zur Überwindung der multiplen Krise erarbeiten. An der Universität haben wir dafür die besten Bedingungen!

Bei Interesse und Rückfragen wendet euch gerne an: fsr-sozoek@uni-hamburg.de

Hier findet ihr den Ankündigung auch als pdf.

Bernd Lucke: ein gesellschaftliches Prinzip im Verfall

Koordinierungstreffen für weitere Aktivitäten: 
am Dienstag, den 29.10.2019 um 18 Uhr im Syntagma, Von-Melle-Park 5

Zu Beginn des Wintersemesters nimmt AfD-Gründer Bernd Lucke seine Lehrtätigkeit als VWL-Professor an der Universität Hamburg wieder auf. Er kehrt damit an eine fortschrittliche Universität zurück. Als Mitglieder haben wir uns der Realisierung der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen verschrieben. Wir engagieren uns für die Überwindung der Schuldenbremsenpolitik in Hochschule und Stadt und darüber hinaus. Die Uni ist vom Salvador-Allende-Platz über das Sozialökonomie-Wandbild und die Gedenkplakette zur Weißen Rose im Audimax bis zu den nach Antifaschist*innen benannten Hörsälen im ESA ein Ort widerständigen tätigen Erinnerns. In Zeiten ökonomischer Rezession, der Klimakrise und politischen Legitimitätsverlustes neoliberaler Parteien, greifen wir als Hochschulmitglieder gesellschaftsverantwortlich ein. Die Positionen eines Bernd Lucke sind dagegen im engsten Wortsinn reaktionär und verdienen unsere souveräne Zurückweisung.

Mit Solidarität gegen das „Prinzip Lucke“

Bernd Lucke repräsentiert eine ökonomische Glaubenslehre an die heilige Kraft des Marktes und das deutsche Unternehmertum, sowie ein biedermeierliches Menschen- und preußisches Erziehungsbild.
Die Verbindung von klassischen Marktradikalen wie Bernd Lucke und autoritären Rechten in der AfD war und ist kein Zufall, sondern entspringt der gemeinsamen Anbetung von Auslese und Unterwerfung in Form von kulturell determiniertem Rassismus, Leistungsethos, Standortkonkurrenz, Gewerkschafts- und Demokratiefeindlichkeit sowie Autoritarismus. Außerdem braucht neoliberale Politik dringend ideologische Absicherung: „Die extreme Rechte unternimmt in ihren Programmen, Heimat und Nation mit radikalem Markt und ungehindertem Wettbewerb zu verbinden. Die soziale Sicherheit des Wohlfahrtsstaates soll durch das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Volks- und Kulturgemeinschaft ersetzt werden. Faschistische Gemeinschaftsideologie – wenngleich stark geläutert und sprachlich modernisiert – dient also dazu, die materielle Sicherheit durch überhöhte Geborgenheitsgefühle ersetzen zu wollen“ (Schui 1997, S. 16). Die gleiche Funktion nimmt die Familie als „Keimzelle der Gesellschaft“ (AfD-Programm) ein. Sie soll als vermeintlicher Rückzugsort die Härten des (entfesselten) Konkurrenzkampfes ausgleichen und uns alle auf die Jagd nach dem privaten Glück statt gesellschaftlichem Wohlergehen schicken.

Die Positionen eines Bernd Lucke sind der zugespitzte Ausdruck der neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte. Damit repräsentiert er ein gesellschaftliches Prinzip, das zur tiefsten Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs und zum Erstarken der extrem Rechten geführt hat. Um die aktuelle gesellschaftliche Großkrise zu überwinden, streiten wir in Gegnerschaft zum Prinzip Lucke für die Verwirklichung einer „Welt des Friedens und der Freiheit“ (Schwur der befreiten KZ-Häftlinge von Buchenwald). Dazu braucht es emanzipatorischer Sozialstaatlichkeit und einer Demokratisierung der Wirtschaft sowie dafür eingreifender Forschung und der Bildung mündiger Persönlichkeiten an den Hochschulen.

Dies hat Bernd Lucke seit jeher bekämpft, nicht erst mit der Gründung der AfD. Er trat aus Protest gegen Willy Brandts Entspannungspolitik der CDU bei, beteiligte sich als „Treuhand-Experte“ an der Deindustrialisierung der DDR und initiierte 2005 – angesichts millionenfachen Protestes gegen Hartz IV – mit seinen Hamburger Kollegen Michael Funke und Thomas Straubhaar den „Hamburger Appell“. Dieses von über 250 deutschen VWL-Professor*innen unterzeichnete neoliberale Propaganda-Papier richtete sich explizit gegen die Stärkung gesamtwirtschaftlicher Nachfrage durch Lohnerhöhungen und staatliche Investitionen.

Keynes statt Hayek

„So gefährdet die Politik mit der Schuldenbremse, dass die Universität ihrer Verantwortung, an einer ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigen Entwicklung zu arbeiten, nachkommen kann. Damit schadet diese Politik allen. Im Unterschied dazu hatte Prof. Dr. Florian Schui […] aufgezeigt, dass gerade Phasen hoher Spitzen-, Vermögens- und Gewinnsteuern verbunden mit investiver sozialer Staatstätigkeit die gesellschaftliche bzw. die positive wirtschaftliche Entwicklung begünstigen.“ (Beschluss Akademischer Senat UHH, 28. Juni 2018 in Auswertung des Dies Academicus)

Zur Verteidigung von Unternehmensinteressen schieben Lucke und Co. im Hamburger Appell die Schuld an der Krise den Arbeiter*innen zu: „Die unangenehme Wahrheit besteht deshalb darin, dass eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage nur durch niedrigere Entlohnung der ohnehin schon Geringverdienenden, also durch eine verstärkte Lohnspreizung, möglich sein wird. Eine Abfederung dieser Entwicklung ist durch verlängerte Arbeitszeiten, verminderten Urlaubsanspruch oder höhere Leistungsbereitschaft möglich.“ Zur „Konsolidierung der Staatsfinanzen“ seien „weitreichende Einschnitte in allen Bereichen der öffentlichen Ausgaben“ nötig. Die Schuldenbremse lässt grüßen.

Dementgegen muss der gesellschaftlich erarbeitete Reichtum auch allen zugutekommen- Für gute Arbeit, soziale Sicherheit und ökonomische Vernunft. In der VWL bedeutet das vor allem ein Ende der neoklassischen Monokultur. Schluss mit Hayek, her mit Keynes und Marx. Für eine (mindestens) Plurale Ökonomik!

Bildung mündiger Persönlichkeiten statt Erziehung zur Unterwerfung

„Ziel universitärer Lehre ist es, Bildung durch Wissenschaft zu ermöglichen. Das schließt die Aufgabe ein, alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Studierenden hohe wissenschaftliche Kompetenz erwerben, ihre Fähigkeiten selbsttätig entfalten und sich als mündige Mitglieder der Gesellschaft weiterentwickeln können, die bereit und in der Lage sind, an deren sozial und ökologisch nachhaltiger, demokratischer und friedlicher Gestaltung maßgeblich mitzuwirken und für ihre Zukunftsfähigkeit Verantwortung zu übernehmen.“ (Leitbild universitärer Lehre der UHH)

Lucke hingegen, der Bildung und Ausbildung lediglich als „wichtige Standortfaktoren“ begreift, meint im Hamburger Appell, dass Defizite an Hochschulen nicht mit „verbesserter Mittelausstattung im Bildungswesen“ behoben werden können. Es werde übersehen, „dass große Fortschritte allein durch vermehrten Ansporn zu Fleiß, Wissbegier und strenger Leistungsorientierung erzielt werden könnten“.

Mit dem aggressiven Menschenbild wird uns eingeredet, allen gehe es nur um den eigenen Vorteil und Konkurrenz steigere die Produktivität. Weil die Natur des Menschen aber seine Gesellschaftlichkeit ist, wird diese uns im Studium mit großem Aufwand auszutreiben versucht. Mit Einführung und Verknappung von Masterplätzen, Prüfungsmarathon und Modulfristen folgt das Bachelor-Master-System dem Prinzip der Konkurrenz. Im Interesse von Unternehmen soll das Studium ausschließlich dazu dienen, hochqualifizierte Lohnabhängige zu schaffen. Im VWL-Studium bedeutet das u.a. das Verbannen von Keynes, Marx und Co., quasi keine Gestaltungsfreiheit (Luckes Makro-Vorlesung ist ein alternativloser Pflichtkurs) und eine Top-Down-„Lernkultur“.

In Gegnerschaft zur Arbeitsmarktorientierung muss es im Studium darum gehen, sich kooperativ den gesellschaftlichen Problemen zu widmen und zu ihrer theoretisch-praktischen Lösung beizutragen.

Antifaschismus, nicht totaler Markt!

Nie wieder sollen Bildung und Wissenschaft aus Neid, Konkurrenz und Vorurteilen, aus Gleichgültigkeit, Ressentiment und Opportunitätsdenken mitverantwortlich werden an Ausgrenzung, Verfolgung, Mord und Krieg. Frieden, Gerechtigkeit und Humanität sollen Reflexion, Diskurs und gesellschaftliche Praxis der Universität nachhaltig orientieren. Weltoffenheit, Inklusion und Demokratie sollen ihre Kultur prägen. Wir erinnern, für ein besseres Leben.“ (Beschluss des Akademischen Senats der UHH zum Erinnern an die Reichspogromnacht, 13.10.2016)

Aufklärung über die neoliberalen Mythen als kollektive Selbstbefreiung, Solidarisierung statt Spaltung und Vereinzelung sowie der Kampf für den Ausbau von Sozialstaatlichkeit (auch als Austrocknung des Nährbodens der Rechten) sind die Alternative zum „Prinzip Lucke“. Luckes Rückkehr an die Uni Hamburg sollten wir also zum Anlass nehmen, unser progressives Engagement für eine Hochschule der Nachhaltigkeit auszubauen, der neoliberalen Politik („Schuldenbremse“) den Todesstoß zu versetzen und die Verfasste Studierendenschaft als Ganzes wieder als gesellschaftliche Akteurin zu rekonstruieren.

Daher laden wir alle Interessierten ein zu einem Koordinierungstreffen der Aktivitäten gegen das „Prinzip Lucke“. Wir treffen uns am Dienstag, den 29. Oktober 2019, um 18.15 Uhr im übergreifenden Fachschaftsbüro „Syntagma“ (Von-Melle-Park 5, neben HasPa-Café). Bisherige Ideen sind die Vorstellung des aktuellen Jahresgutachtens des MEMORANDUMS Alternative Wirtschaftspolitik, Go-Ins in Luckes Vorlesungen, eine Veranstaltung zum Zusammenhang von neoliberaler und extrem rechter Theorie, weitere Aufklärung und ein neuer Anlauf zur Reform des Studiums.

Weitere Informationen
– Herbert Schui und Stephanie Blankenburg et al., „Wollt ihr den totalen Markt?“, 1997
– MEMORANDUM der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (jährliche Gegengutachten zu den Wirtschaftsweisen der Bundesregierung): www.alternative-wirtschaftspolitik.de
– Rainer Volkmann, „Vom Verlust des Politischen – VWL in unserer Zeit“, Vorlesungsaufzeichnung, 2012. Zu finden auf: www.lecture2go.de

Das Flugblatt Findet ihr hier auch als pdf.

Gemeinsamer Aufruf der Stipendiat*innen der Hans-Böckler Stiftung an der ehem. HWP und dem Fachschaftsrat Sozialökonomie zur Beteiligung an der Volksinitiative “Schuldenbremse streichen! Soziale Wohlentwicklung, jetzt: demokratisch, zivil, für Alle”

Antifaschismus ist eine zentrale Prämisse, die unsere Arbeit in Gewerkschaften und unsere Arbeit im Fachschaftsrat Sozialökonomie verbindet. Daher haben wir uns auf unserer letzten Vollversammlung entschlossen, als Stip-Gruppe gemeinsam mit dem Fachschaftsrat die Volksinitiative “Schuldenbremse streichen! Soziale Wohlentwicklung, jetzt: demokratisch, zivil, für Alle” zu unterstützen, auch um der rechten Ideologie, wie sie sich nicht erst seit den Landtagswahlen im Osten zeigt, den Nährboden zu entziehen. Die Kampagne kämpft für die Streichung der „schwarzen Null” aus der Landesverfassung, um damit einen bedarfsgerechten Ausbau des Sozialstaates und notwendige Investitionen in Sozial-, Kultur-, Bildungseinrichtungen und öffentliche Infrastruktur zu ermöglichen. Die Gespräche auf der Straße, die bei der Sammlung der notwendigen (gültigen!) 10.000 Unterschriften geführt werden, zeigen: Die Bürger*innen Hamburgs haben genug von der neoliberalen Politik von verschärfter Konkurrenz und Sparpolitik. Für die solidarische Perspektive einer besseren Welt für alle müssen wir die Erzählung, wir könnten uns keinen ausfinanzierten Sozialstaat leisten, hätten über unsere Verhältnisse gelebt und müssten nun den Gürtel enger schnallen beenden. Stattdessen gilt es die reale gesellschaftliche Gegnerschaft zu den Kapitalinteressen hinter bspw. hohen Mieten und privatisierten Krankenhäusern aufzunehmen. Der Widerspruch verläuft zwischen Kapital und Arbeit. Das Problem sind die Banken, Großkonzerne und Superreichen – nicht die Menschen in dieser Stadt!

Die Vorgängerinstitution unseres Fachbereiches, die Akademie für Gemeinwirtschaft, wurde im Jahr 1948 in Hamburg gegründet. Gründungsimpetus von Gewerkschaften und Sozialdemokrat*innen war es, nach dem Sieg über den Faschismus die Entnazifizierung und die Humanisierung durch die Bildung von Gewerkschaftsaktiven, Sozialdemokrat*innen und Friedensbewegten in einer eigenen Bildungseinrichtung voranzubringen. Die Akademiegründung sollte Menschen – grade auch solchen ohne Abitur und dafür mit Praxiserfahrung – das Studium ermöglichen und damit das notwendige Wissen vermitteln, um zukünftig in gesellschaftspolitisch relevanten Funktionen in einem humanen, antifaschistischen Sinne fundiert handeln zu können. So wird uns als organisierte Gewerkschaftsaktive, Antifaschist*innen, Humanist*innen und Pazifist*innen, die heute an der ehem. HWP studieren, die besondere Verantwortung zuteil, in diesem Verständnis demokratisch aufzuklären, zu bilden und politisch tätig zu sein.

Daher laden wir euch ein, gemeinsam mit uns die Hamburger Volksinitiative “Schuldenbremse streichen!” zu unterstützen. Diskutiert in euren Basisorganisationen, den Gremien von ver.di, IGM, DGB u. ä. oder in Betriebsgruppen, dass es originäre Aufgabe ist, ursachenorientiert gegen den Sozialstaatsausbau und gegen Rechts tätig zu sein. Werdet selbst aktiv und sammelt mit uns Unterschriften, z. B. an euren Infoständen. Es geht um das Beenden des sukzessiven Ausblutens der öffentlichen Hand durch jährliche Budgeterhöhungen unterhalb der Inflationsgrenze, wodurch im öffentlichen Dienst selbst erkämpfte Lohnerhöhungen nur durch eine Verkleinerung der Belegschaft oder durch das Vernachlässigen der notwendigen Infrastruktur möglich sind. Es geht um das zurückdrängen der Privatisierungswelle. Es geht um das Beenden der neoliberalen Vereinzelungs- und Alternativlosigkeitsideologie: Denn jede*r hat Bedeutung!

Weitere Informationen findet ihr auf www.schluss-mit-austertitaet.de oder im übergreifenden Fachschafts- und Kampagnenbüro Syntagma neben dem HASPA-Café im WiWi-Bunker oder auch im FSR Sozialökonomie.

Solidarische Grüße,
Euer TeamKoo der Stipendiat*innengruppe HH II
und der Fachschaftsrat Sozialökonomie

Hier findet ihr den Aufruf auch als pdf.

Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat

Gemeinsamer Aufruf zur Wahl des Fakultätsrates für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Fachbereichs-listen: „Wi.Sozialökonomie“, „Plurale Ökonomik“und „Liste für Solidarität und Demokratisierung“

„Our civilization is being sacrifized for the opportunity of a very small number of people to continue making enormous amounts of money. (…) And if solutions within the system are so impossible to find then maybe we should change the system itself. (…) We have come here to let you know that change is coming, wether you like it or not. The real power belongs to the people.“
Greta Thunberg, aus ihrer Rede zum Plenum der U.N. in Katowice (Polen), Dezember 2018

Nicht erst seit dem „Zerstörungs“-Video von Rezo ist die Sache klar: wir haben als Menschheit noch circa 10 bis 15 Jahre, die Emission von Treibhausgasen radikal zu reduzieren, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Das wird nicht gelingen, ohne an die Grundfeste unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems zu gehen. Für 71% aller Treibhausgase, die seit 1988 in die Atmosphäre gepustet wurden, sind nur 100 Konzerne verantwortlich. Unter den zehn größten CO²-Emittenten der EU befinden sich neun Kohlekraftwerke, sieben davon in der Hand der deutschen Energie-Oligopolisten. Wer also von der Konversion des Energiesektors in demokratische Hand und Bedarfs- statt Profitorientierung nicht reden will, sollte auch vom Klimawandel schweigen.

Dies gilt auch für die anstehenden Fakultätsrats-Wahlen: wir haben unser Schicksal in der Hand und entscheiden aktiv mit, ob wir als Uni Hamburg als tatsächliche „Universität der Nachhaltigkeit“ zur Realisierung der Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) beitragen, indem wir global für ein Ende von Armut, Hunger, Krieg und Naturzerstörung sowie für gute Arbeit, Bildung, sauberes Wasser für alle und die Überwindung von Klimawandel und Ungleichheit kämpfen. Oder ob die im Struktur- und Entwicklungsplan der Uni Hamburg festgehaltene SDG-Orientierung nur als Marketing-Gag genutzt wird, um den Status der Exzellenzuniversität zu erhalten und damit ganz im Sinne der Exzellenzstrategie profitorientierte Wissenschaft im Interesse Weniger zu betreiben.

In Zeiten von Klimawandel, steigender sozialer Ungleichheit, aufsteigendem Nationalismus und Rassismus und globaler Aufrüstung auf der einen Seite und Fridays For Future, die Berliner Volksinitiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“, #unteilbar, „International Solidarisch – Schluss mit Austerität“ sowie die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) auf der anderen Seite, haben emanzipatorische Bildung und kritische Wissenschaft eine wichtige Bedeutung, indem sie uns die Welt in ihrer historischen und gesellschaftlichen Entwicklung begreifen lassen und aufzeigen, dass sie von Menschen gemacht und veränderbar ist und wir selbst damit in der Lage sind, diese zu verbessern. „Die Philosophen haben die Welt nur verschiedeninterpretiert, es kömmt drauf an sie zu verändern“.Als Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (SozÖk, SoWi, VWL) konnten wir bereits Einiges in diese Richtung auf den Weg bringen: von zahlreichen SDG-Patenschaften, der Realisierung von Themensemestern (u.a. zu „Austerität vs. Solidarität“), kritischer Intervention in den Lehrplan (u.a. „Plurale Ökonomik“), der zukunftsgerichteten Aufarbeitung der Fachgeschichte (u.a. Pferdestall und HWP-Projektstudium) bis zu Aufruf und Teilnahme an der Marathonlesung „Nie wieder Bücherverbrennung!“

Um dieser Orientierung zum Durchbruch zu verhelfen, brauchen wir entgegen der umfassend gescheiterten „Unternehmerischen Hochschule“ umfassendes Engagement für eine kritisch-wissenschaftliche, emanzipatorisch-bildende, sozial nachhaltige und demokratische Hochschule. In der kommenden Amtszeit des Fakultätsrats wollen wir uns daher fachbereichs- und mitgliedergruppenübergreifend u.a. einsetzen für:

  • partizipatives, kooperatives und kollegiales Miteinander aller an der Hochschule Tätigen, deswegen für demokratisch selbstverwaltete Institute statt professoraler Fürstentümer
  • unbefristete Stellen im wissenschaftlichen, technischen und Verwaltungs-Mittelbau (Frist ist Frust!) sowie elternunabhängiges BAföG ohne Rückzahlungspflicht (Studienhonorar)
  • Wissenschaft und Studium zur Lösung epochaler Schlüsselprobleme (SDGs!) statt Drittmittel-Jagd und Creditpoint-Hetze, deswegen Abschaffung der sog. Leistungsorientierten Mittelvergabe (LOMI) und die radikale Reduzierung der Prüfungslast

All das wird nur in Einheit mit einer massiven Ausweitung der Grundfinanzierung der Hochschule und damit der Überwindung der Politik der schwarzen Null und der Abschaffung der Schuldenbremse gelingen, deswegen engagieren wir uns in der Kampagne „International Solidarisch – Schluss mit Austerität“ und der Volksinitiative „Schuldenbremse streichen!“

Die Frage danach, wie politisch und gesellschaftlich eingreifend Wissenschaft sein darf, kann und muss, ist nicht nur für die Wahlen zum Fakultätsrat und zu anderen Gremien der universitären Selbstverwaltung von Bedeutung, sondern begleitet uns gerade in den aktuellen Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung immer in unserem Studienalltag: Beschäftigen wir uns wissenschaftlich mit den Ursachen gesellschaftlicher Probleme, um anhand der erlangten Erkenntnisse zur Lösung dieser beizutragen? Oder beugen wir uns dem Druck, unser Studium als Leistungspunktejagd und Investition in unser Humankapital zur besseren Verwertung am Arbeitsmarkt durch profitorientierte Konzerne zu verstehen? Nehmen wir unser Schicksal gemeinsam in die Hand? Oder fügen wir uns organisierter Belanglosigkeit und dem neoliberalen Dogma der Alternativlosigkeit?

Lasst uns deshalb gemeinsam durch die Wahl der links-progressiven Listen bei der Fakultätsratswahl und durch unser Alltagshandeln unsere geschichtliche Veränderungsmöglichkeit wahrnehmen und im Sinne der SDGs für eine Welt ohne Armut, Hunger und Kriege, für eine Welt mit guter Arbeit, Bildung, Gesundheit, Geschlechtergleichheit, öffentlicher Infrastruktur, nachhaltiger Energiegewinnung, Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und Frieden für alle eintreten. Also geht wählen, aber vor allem: wählt, selbst aktiv zu werden.

„Wir können es ändern. Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte, die unfähig sind, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Das haben sie uns jahrhundertelang eingeredet. (…) Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit…“ 
Rudi Dutschke im Gespräch mit Günter Gaus, 3.12.1967.

Hier findet ihr das Flugblatt auch als pdf.

OE des B.A. Sozialökonomie zum Sommersemester 2019

Die Orientierungseinheit für alle neuen Studierenden des B.A. Sozialökonomie im Sommersemester 2019 findet in der Woche vor dem offiziellen Beginn der Vorlesungszeit statt: Mo. 25.03.2019 bis Freitag 29.03.2019.

Beginn: 25.03.2019 um 10:00 Uhr, Hörsaal im Von-Melle-Park 9
Eine Anmeldung oder Abmeldung ist NICHT erforderlich!

Die Orientierungseinheit soll Studienanfängerinnen und Studienanfängern die Orientierung an der Universität und den Einstieg ins Studium erleichtern.
Innerhalb von einer Woche wird den Studienanfängerinnen und Studienanfängern vermittelt, was für einen erfolgreichen Start ins Studium wichtig ist. Die Kerninhalte der OE sind folgende: Studienaufbau und Studienorganisation, Besonderheiten der Sozialökonomie und Möglichkeiten der Mitgestaltung uvm. 
Die Orientierungseinheit soll auch einen Raum schaffen, um die neuen Kommiliton*innen kennenzulernen. In der OE wird viel Wert daraufgelegt, dass die Erstsemester*innen sich selbst, den Fachbereich und die studentische Kultur kennenlernen und ein soziales Netz spinnen können. Damit das auch gelingen kann, werden viele Möglichkeiten des Austauschs geschaffen, sowie ein Kneipenabend und ein gemeinsamer Wochenausklang angeboten.

Zeitrahmen: Montag bis Freitag: ca. 10:00 – 17:00 Uhr; zusätzlich werden gemeinsame Aktivitäten am Mittwoch- und Freitagabend angeboten. Es wird empfohlen, an der kompletten Woche teilzunehmen.

HINWEIS: Damit die Einteilung in Kleingruppen erfolgen kann, sollten alle OE-Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf jeden Fall am Montag um 10:00 Uhr anwesend sein.

Fragen oder Anregungen sind willkommen und zu richten an das Team der studentischen Koordination (Koordination.OE@gmail.com).

Euer Tutor*innen-Team der OE SoSe 2019

Faktencheck: Hochschulpolitik

Informationen anlässlich der Wahlen zum Studierendenparlament und zum Akademischem Senat der Uni Hamburg im Wintersemester 2018/19

„Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“ (Bertolt Brecht)

Wir FSRe sind bedeutsamer Teil der Verfassten Studierendenschaft (VS) und setzen uns für die Interessen der Studierenden an den jeweiligen Fachbereichen ein. Das können wir allerdings nicht alleine und nicht mit einem isolierten Blick auf einen einzelnen Fachbereich/Studiengang. Progressiv-oppositionelles Handeln aus der Verfassten Studierendenschaft (VS) wirkt, wenn wir gemeinsam mit anderen FSRen und anderen Teilen der VS wie AStA und StuPa kämpfen – denn alle vermeintlich individuellen Problemlagen sind gesamtgesellschaftlich verwoben mit Sozialstaatsabbau, Austeritätspolitik („Schuldenbremse“), BaMa-System oder der Ökonomisierung der Hochschulen.

Wir konnten als studentische Bewegung in jüngerer Zeit viel erreichen und u.a. die Studiengebühren und studienbegleitende (Modul-)Fristen weitgehend abschaffen, inhaltlich in die Lehre und Lehrkonzeption eingreifen (Orientierung an „Uni in gesellschaftlicher Verantwortung“), wesentlich zum NEIN zum Kommerz-Olympia beitragen und den hoffnungsstiftenden Widerstand zu G20 mitgestalten. Aktuell geht es um ein Ende von Austeritätspolitik und Schuldenbremse für adäquate Bedingungen für kritische Wissenschaft und emanzipatorische Bildung. In diesem Sinne arbeitet bspw. die Kampagne „International Solidarisch – Schluss mit Austerität“, an der wir uns als FSRe beteiligen.

Diese Bedeutung der Verfassten Studierendenschaft und damit unsere Arbeit als progressive FSRe wird aktuell von einer Verhinderungsallianz, die zurzeit die Mehrheit im StuPa stellt (und damit AStA und StuPa-Präsidium), bekämpft mehr lesen >>

studentische Vollversammlung!

Wie zuletzt unschwer zu überhören war, kracht es zur Zeit ordentlich am Fachbereich! Was steckt dahinter? Unserer Orientierungseinheit geht es bereits seit letztem Semester massiv an den Kragen. Es wurden erhebliche Kürzungen um rund 60% vorgenommen. Die zum jetzigen Semester veranstaltete OE hat dies bereits zu spüren bekommen und war nur unter hohem Aufwand in ihrer bisherigen Form durchführbar.

Darum veranstalten wir, alle Studierenden des Fachbereichs Sozialökonomie, eine außerordentliche studentische Vollversammlung am Montag, den 16.04.18 um 18 Uhr im Hörsaal VMP 9.

*Kommt vorbei, damit wir uns gemeinsam mit der Frage auseinandersetzen können: WAS TUN WIR ALS NÄCHSTES?*

Vollversammlung zur Ausfinanzierung der OE!

Video-Dokumentation des Schui-Symposiums

Im November 2017 haben wir uns auf dem Symposium in Erinnerung an Herbert Schui unter dem Motto » … alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.« (Marx) mit der Perspektive nach der neoliberalen Hegemonie beschäftigt. Auf unserer Homepage findet ihr nun die ersten Video-Dokumentationen der Vorträge, in den wir uns mit den aktuellen ökonomischen, sozialen und politischen Herausforderungen wie der Entwicklung von Gegenperspektiven zum Neoliberalismus (Wirtschaftsdemokratie, Alternative Wirtschaftspolitik), der Einheit von Frieden und Sozialem angesichts der Krise der EU, einem wirksamen Handeln gegen Rechts in internationalem Austausch sowie der Gestaltung von Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung auseinandergesetzt haben. Viel Spaß beim reinschauen und vertiefen!

Nach der Tagung: Dokumentation