Aktuelles

Wahlaufruf zum Studierendenparlament und Akademischen Senat des FSR Sozialökonomie

Fachschafsräte sind ein zentraler Teil der studentischen Selbstverwaltung. Für eine progressive, solidarische Interessenvertretung aber, spielen das Studierendenparlament und der akademische Senat auch eine wesentliche Rolle. Daher möchten wir dazu auffordern von eurem Wahlrecht Gebrauch zu machen und selbst aktiv zu werden.

Die aktuelle Krise ist keine Naturkatastrophe. Sie macht vielmehr wie ein Brennglas deutlich wo die Probleme, in unserer aktuellen Gesellschaft liegen und bisher auch schon lagen. Wir sind vor die Herausforderung gestellt, eine neue Stufe von Kooperation und Gesellschaftlichkeit zu realisieren um die Verhältnisse zu überwinden, die diese Krise hervorgebracht haben. Dafür braucht es eine ausfinanzierte und lebendige Universität, an der ohne Selektion zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beigetragen wird.

Um die Auseinandersetzung darum zu führen, sind an der Universität demokratische Mitbestimmungsgremien erkämpft, von denen zwei aktuell zu wählen sind:

Das Studierendenparlament (StuPa) ist das wesentliche Organ der studentischen Interessensvertretung. Dieses Parlament wählt den allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), diskutiert und beschließt seine politischen Richtlinien und verfügt über den Haushalt der Studierendenschafft. Dabei ermöglicht es allen Studierenden regelmäßige gemeinsame Auffassungsbildung über Fachbereichs- und Fakultätsgrenzen hinweg Die Wahl war bis zum 04. Januar als Briefwahl möglich und wird als Urnenwahl vom 11.–15. Januar fortgesetzt.  Zum Wählen braucht Ihr nur euren Studierendenausweiß und könnt dann zu einem der Urnenstandorte gehen. (Mindestens im Audimax wird es eine Wahlmöglichkeit geben)

Der Akademische Senat (AS) ist das höchste Uni-Gremium. Es diskutiert Grundsatzfragen der Uni-Entwicklung und hat Beschlussrechte (z.B. zu Prüfungsordnungen, Mittelverteilung, Entwicklung der Uni etc.). Der AS ist aus Professor*innen, Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Mitgliedern des Technischen-, Verwaltungs- und Bibliothekspersonals zusammengesetzt. Die Wahl ist eine Briefwahl, bei der wir unsere studentischen Vertreter*innen für den AS wählen können. Die Wahlunterlagen sind euch inklusive eines freigemachten Rückumschlags vom Wahlamt zugeschickt worden. Die ausgefüllten Wahlunterlagen müssen bis spätestens 15. Februar 2021, 14.00 Uhr beim Wahlamt eingegangen sein. Das Wahlamt befindet sich im Mittelweg 177, Raum S 4058, 20148 Hamburg.

Für eine progressive Interessenvertretung halten wir als FSR folgende Aspekte für beachtenswert:

Gesellschaftlich verantwortliche Wissenschaft: Forschung, Lehre und Bildung muss im Sinne der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, denen sich die Universität Hamburg verpflichtet, dazu dienen die gesellschaftlichen Probleme zu rationalisieren und Lösungen für sie zu entwickeln. In dieser Pandemie hieße das, zu problematisieren, dass die bisherigen Lockdown-Maßnahmen sozial und gesundheitlich katastrophal sind, zu untersuchen wie Covid-19 in Australien, Neuseeland, Japan, Südkorea und Kuba bereits nahezu überwunden werden konnte, aber auch wie profitorientierte Produktionsverhältnisse und prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen diese Krise erst hergestellt haben. Die aktuelle Politik verschärft nämlich vor allem lange bestehende Krisen. Wissenschaft muss deshalb, woraufhin an diesem Fachbereich das Themensemester „Gesellschaftlichen Polarisierung in Zeiten von Corona“ bereits hinarbeitete, fragen, wie verbessern wir die Situation in unseren Krankenhäusern und Pflegeheimen? Wie setzen wir zur Überwindung der Arbeitslosigkeit Arbeitszeitverkürzung und Lohnausgleich durch? Wie schaffen wir eine öffentliche Daseinsvorsorge und bezahlbaren Wohnraum für alle? Und wie setzen wir nicht vereinzelt im Konsum, sondern gesellschaftlich der Klimakrise etwas entgegen?

  • Solidarsemester: Ein Solidarsemester sollte für ein Semester in dem nur digitale Lehre angeboten wird, von uns allen gefordert werden, da knapp 1/5 von uns keine adäquaten Arbeitsplätze in unseren Wohnungen haben bzw. keine adäquate technische Ausrüstung um am Digitalsemester teilzunehmen. Durch eben diese digitale Lehre werden Prüfungsdruck und individualisiertes Lernen in der sozialen Realität der Kontaktbeschränkung nun noch stärker zum studentischen Alltag. Zudem haben 40% aller Studierenden ihren Job verloren und stehen dadurch vor enormen finanziellen Problemen. Notwendige Reformen sind weniger Prüfungen mit mehr Versuchen, Bafög das zu Leben reicht, für alle und finanzielle Unterstützung für zusätzliche Aufwendungen durchs Online-Studium. Gegen Selektion und Konkurrenz braucht es eine Ausfinanzierung der gesamten Universität und ein Ende der Schuldenbremsenpolitik.
  • Präsenzsemester: Bildung braucht Präsenz. Die fortgesetzte Schließung der Universität Hamburg ist gesamt-gesellschaftlich extrem schädlich und aus Sicht des Infektionsschutzes nicht zu rechtfertigen. Lernen gelingt in Auseinandersetzung mit Anderen. Durch kontroverse Diskussionen können neue Erkenntnisse gebildet werden. Auch das gemeinsame Essen in der Mensa hat dafür Bedeutung. Das Online Semester dagegen vereinzelt und macht unkonzentriert. Auch haben viele Zuhause gar keinen geeigneten Arbeitsplatz.

Die in Präsenz durchgeführten Orientierungseinheiten des Wintersemesters, haben gezeigt, dass es möglich ist Präsenzlehre unter Einhaltung der Hygienekonzepte durchzuführen und dass wir Studierenden verantwortungsbewusst miteinander umgehen und es somit zu keinen Infektionen kam.

Deswegen sollte die Universität unter Beachtung der Hygienekonzepte die geplante Präsenzlehre des Wintersemesters durchführen, das Sommersemester mit möglichst viel Präsenzlehre planen und die Universitätsgebäude, wie z.B. die Bibliotheken schnellstmöglich, unter Einhaltung des Hygienekonzeptes, wieder öffnen.

 

Die Selbstdarstellungen der zum StuPa kandidierenden Listen findet ihr hier: https://www.stupa.uni-hamburg.de/archiv/03-wahlen/wahl-21-22/wahlzeitung.pdf

Eine Übersicht der Urnenstandorte für die StuPa-Wahl findet ihr auf unserer Webseite: https://fsr-sozialoekonomie.de/

Als FSR treffen wir uns jeden Mittwoch um 14 Uhr. Alle sind herzlich eingeladen dazu zu kommen! Schreibt gern eine Mail, wenn ihr dazu kommen möchtet: fsr-sozoek@uni-hamburg.de

Digitale Listenvorstellung zur Wahl des Studierendenparlaments 2020/21

Dienstag, 15.12.2020 um 18 Uhr – via ZOOM

Lernt die kandidierenden Listen und ihre Programmatik kennen und trefft eine informierte, aufgeklärte Wahlentscheidung

– Eure Wahl hat Bedeutung!

In den kommenden Wochen finden die Wahlen zum Studierendenparlament (StuPa) und zum Akademischen Senat (AS), den beiden höchsten Gremien der Studentischen und Akademischen Selbstverwaltung der Universität, statt. Gerade angesichts der durch Isolation erschwerten Bedingungen für demokratische Wahlen kommt der kollektiven Gestaltung der Universität durch ihre Mitglieder aktuell besondere Bedeutung zu. Als Fachschaftsräte und Teil der studentischen Interessensvertretung wollen wir deshalb dazu beitragen, dass alle Studierenden eine informierte, aufgeklärte Wahlentscheidung treffen und damit ihrer politischen Auffassung bewusst Ausdruck verleihen können.

Deswegen laden wir euch zu einer Vorstellung der kandidierenden Listen bei den Wahlen zum Studierendenparlament ein, bei der diese ihre Programmatik vorstellen können und ihr die Möglichkeit habt, die Kandidierenden kennenzulernen und Nachfragen zu stellen.

Wissenschaft, Bildung und ihre Einrichtungen entwickeln sich ständig weiter – und daran wirken die Gremien der Akademischen und der Studentischen Selbstverwaltung maßgeblich mit. Im StuPa diskutieren 47 studentische Parlamentarier*innen verschiedener (weltanschaulicher) Fraktionen über alle Belange der verfassten Studierendenschaft (VS), u.a. über die soziale Lage, eine solidarische (Studien-)Kultur und den Haushalt der VS, mit dem über die inhaltliche Ausrichtung ihrer Arbeit entschieden wird. Zudem wird aus der Mitte des Parlaments jedes Jahr ein neuer AStA gewählt, der die studentischen Interessen auch über den Campus hinaus vertritt.

Kurzum: Eure Wahl hat Bedeutung! Verantwortungsvolle Wissenschaft und gute Lehre hängt nicht zuletzt auch davon ab, welche Relevanz alle Hochschulmitglieder ihrer demokratischen Selbstverwaltung beimessen. Wir rufen deswegen dazu auf: Informiert euch, zum Beispiel bei der Listenvorstellung, und nutzt euer Wahlrecht!

Eure Vertreter*innen für AS und StuPa könnt ihr per Brief wählen (AS bis zum 15.02., StuPa bis zum 02.01.) – für das StuPa könnt ihr auch an den Urnen am Campus in der Woche vom 11. – 15.01. wählen.

Die Veranstaltung findet via Zoom statt: https://uni-hamburg.zoom.us/j/92297161400?pwd=cDFmazJ5VVJ 4OEVQa0lpMnBKMHdvdz09 (Webinar-ID: 922 9716 1400, Kenncode: 5.@=H?y)

*** Die Listenvorstellung wird veranstaltet durch die folgenden Fachschaftsräte *** Archäologie – Bewegungs- und Gesundheitswissenschaft – Chemie und Lebensmittelchemie – Erziehungswissenschaft – Holzwirtschaft – Lehramt – Medizin – Sozialwissenschaften – Sozialökonomie

Hier findet ihr den Flyer auch als pdf.

Solidarische Krisenlösung BILDEN – für die Öffnung der Hochschulen

Demonstration am Dienstag, 24.11.20 um 15 Uhr,
Joseph-Carlebach-Platz (beim Campus Von-Melle-Park)

 

Die fortgesetzte Schließung der Universität Hamburg ist aus Sicht des Infektionsschutzes nicht zu rechtfertigen und gesamt-gesellschaftlich extrem schädlich. Hochschulen sind keine Infektions-Hotspots! Im Gegenteil, sie stehen in der Verantwortung, zu einer humanen und solidarischen Lösung der Krise beizutragen. Mit erprobten Hygienekonzepten und einer erhöhten gegenseitigen Aufmerksamkeit sollte im Wintersemester deswegen möglichst viel in Präsenz stattfinden!

In der größten (Weltwirtschafts-)Krise seit 1929 braucht es dringender denn je ein Verständnis von kollektiver Macht, von Einmischung, von Entfaltung und eine Abkehr von Individualisierung und Ellenbogengesellschaft. Hochschulen spielen dafür genauso eine Rolle wie Kunst- und Kultureinrichtungen. Alles brauchen wir, um Solidarität zu bilden, um demokratisch Lösungen zu erarbeiten und um die erdrückende soziale Ungleichheit zu überwinden. An den Hochschulen müssen wir dringend diskutieren, wie wir die Situation in den Krankenhäusern und Pflegeheimen verbessern, wie wir zur Überwindung der Arbeitslosigkeit Arbeitszeitverkürzungen durchsetzen, wie wir dem Klimawandel begegnen und wie wir entgegen der sozial-ignoranten Durchhalte-Rhetorik einen sinnvollen Umgang mit der Pandemie entwickeln. Dafür spielt die Soziologie ebenso eine Rolle wie die Medizin, die Erziehungswissenschaft und die Physik, dafür brauchen wir intensiven Austausch und Begegnung in Präsenz sowie die entsprechenden sozialen Grundlagen.

Es geht deswegen auch nicht darum, zwischen Unterhaltung, systemrelevanter Tätigkeit und Menschenleben abzuwägen. Es geht darum, dass ein gutes Leben für alle längst möglich ist. Es geht darum, dass wir uns nicht länger abspeisen lassen mit einem prekären Status quo. Eine bessere, gerechte, friedliche und soziale Welt ist möglich und wir spielen eine Rolle dabei, sie zu erstreiten und zu verwirklichen. 

Wir fordern deswegen: 

  • die Ermöglichung und Erweiterung von geschützter Präsenz in den Hochschulen für Bildung und Lehre (siehe auch die Petition: https://t1p.de/4r01), 
  • für die Verbesserung der sozialen Grundlagen des Studiums 900 Euro monatlich als Vollzuschuss,
  • die Ausfinanzierung der Hochschulen sowie der öffentlichen Daseinsvorsorge

Hier findet ihr den Demo-Flyer auch als pdf und ein Plakat als pdf zur Kundgebung.

Offener Brief an das Präsidium der Universität Hamburg

Hier findet ihr einen Offenen Brief an das Präsidium der Universität Hamburg, der am 02.11.2020 von Lehrenden aus verschiedenen Fakultäten der Uni Hamburg unterzeichnet und am 03.11.2020 versandt wurde.

Nachdem am vergangenen Freitagabend durch das Präsidium äußerst kurzfristig und ohne Notwendigkeit allen geplanten (Teil-)Präsenzveranstaltungen eine Absage erteilt wurde, wird es auf diesem Weg dazu aufgefordert, entsprechend der geltenden SARS-CoV2-Eindämmungsverordnung sowie auf Grundlage der in den letzten Monaten entwickelten Hygieneschutzkonzepte die bereits geplanten Lehrveranstaltungen in (Teil-)Präsenz im vollen Umfang zu ermöglichen.

Um über den Kreis an 31 Erstunterzeichnenden hinaus Unterstützung für das Anliegen zu sammeln, die geplante Präsenzlehre im Wintersemester auch zu ermöglichen, haben wir aus dem Offenen Brief auch eine Petition bei openpetition.de erstellt, zu deren Unterzeichnung alle Unterstützer*innen des Anliegens herzlich eingeladen sind.

Sie ist hier zu finden: https://www.openpetition.de/petition/online/die-geplante-praesenzlehre-im-wintersemester-ermoeglichen

Hamburg, den 02.11.2020

„Die Mitglieder der Universität wollen die universitären Aufgaben in der Verbindung von Forschung und Lehre, Bildung und Ausbildung in wissenschaftlicher Unabhängigkeit erfüllen. Sie wollen zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft beitragen und Frauen und Männern gleichen Zugang zu Bildung und Wissenschaft eröffnen.“

(Leitbild der Universität Hamburg)

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Mitglieder des Präsidiums,

Hochschulen und Wissenschaft sind von Bedeutung für eine solidarische, nachhaltige Bearbeitung der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Analyse und rationale Argumentation sind hochwirksam gegen Angst, Fake-News, Verschwörungstheorien und Demagogie. Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung und die universitäre Gemeinschaft brauchen Begegnung, Bezugnahme, Diskussion, Mimik, Gestik, spontane Anregungen in einem gemeinsam – unter den aktuellen Bedingungen besonders sorgfältig – belebten Raum.

In den letzten Monaten ist viel Arbeit in die Erstellung von Schutz- und Hygienekonzepten für die Realisierung von Präsenzlehre investiert worden, mit denen sowohl die Einhaltung des Mindestabstands als auch die Erfassung von Kontaktdaten überall gewährleistet werden kann. So sind für Seminare mit 20-30 Teilnehmern Hörsäle mit mehreren Hundert Sitzplätzen beplant worden.

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Pandemie besteht in der sorgfältigen Realisierung von Lehre in Präsenz, von Lernen und Begegnung in den Hochschulen. Zudem sind diese Begegnungen das beste Mittel gegen Vereinsamung, Frustration und Stress. Wer die Gefährlichkeit der aktuellen Krise ernstnimmt, fördert die wissenschaftliche Arbeit in den Hamburger Hochschulen.

Die Wissenschaftssenatorin Fegebank führte auf der Pressekonferenz am 30.10.2020 in Bezug auf die Hochschulen aus: „Das heißt nach wie vor: so viel Präsenzlehre wie möglich, soviel digital wie möglich.“ [https://youtu.be/FKe90U0BcGs?t=792]

Solange Präsenzlehre an Hochschulen gemäß der Hamburger SARS-CoV2-Eindämmungsverordnung rechtlich zulässig ist, muss die Entscheidung über die Abhaltung von Präsenzveranstaltungen den Lehrenden überlassen bleiben. Dies gebietet schon das Grundrecht der Freiheit der Lehre (Art. 5 (3) GG; § 11 (1) HmbHG; vgl. dazu auch den Beschluss des Akademischen Senats in seiner 774. Sitzung am 23.04.2020, TOP 13).

Die Unterzeichnenden fordern das Präsidium der Universität in diesem Sinne dazu auf, die geplanten Präsenzveranstaltungen im vollen Umfang zu ermöglichen, selbstverständlich auf Grundlage der entwickelten Schutzkonzepte!

Mit freundlichen Grüßen

 

Die Antwort des Präsidium der Uni Hamburg findet ihr hier: https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2020/pm50.html

Und auch die Presse hat dazu bereits einiges berichtet:

https://www.rtl.de/cms/streit-um-lockdown-an-uni-hamburg-4644184.html

https://www.hamburg.de/nachrichten-hamburg/14569150/praesidium-weist-kritik-an-uni-lockdown-zurueck/

https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/dozenten-wehren-sich-gegen-digitales-semester-3224/

https://mobil.mopo.de/hamburg/professoren-protest-wissenschaft-und-lehre-in-hamburg-waehrend-corona-unwichtig–37577616

 

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/coronavirus/Hochschulen-Studieren-unter-Corona-Bedingungen,hochschulen172.html

Wahlen zum Fakultäts- und Fachbereichsrat

Momentan finden die Wahlen zu den Fakultäts- und Fachbereichsratswahlen statt – wir möchten euch noch einmal aufrufen euch mit den Wahlen auseinanderzusetzen, von eurem Wahlrecht Gebrauch zu machen und ermuntern die zwei blauen Briefe bis spätestens zum 9.7. abzuschicken.
 
Da die Universität, sowie auch die WiSo-Fakultät und der Fachbereich Sozialökonomie sich durch u.a. diese Gremien selbstverwalten, sind diese und auch die Wahlen überaus bedeutsam für die Ausrichtung und Entwicklung der Universität.
 
Als Aktive des FSR Sozialökonomie kandidieren wir sowohl für den Fachbereichsrat, als auch den Fakultätsrat. Als studentische Interessensvertretung in den Gremien streiten wir vor allem für kritische Wissenschaft, emanzipatorische Bildung für Alle, gute materielle Grundlagen für die Studierenden, demokratische Strukturen, gegen Rechts und für eine bedarfsdeckende Ausfinanzierung der Uni. Hier findet ihr exemplarisch unser Programm “Menschlich: Weniger Markt, mehr Demokratie, Recht auf Arbeit – auch an der Hochschule!”, mit welchem wir gemeinsam mit aktiven Studierenden aus der VWL und der SoWi, für den Fakultätsrat kandidieren.
 
Ebenso findet ihr hier noch einmal den offiziellen Wahlaufruf der Uni, in dem noch einmal ausführlicher erläutert wird, was der Fakultäts- und der Fachbereichsrat eigentlich sind und welche Bedeutung die Wahlen und die Gremien haben. 

Stud. Vollversammlung am 24.6.2020 und Resolution

Am 24.06.2020 fand unsere studentische Vollversammlung des Fachbereich Sozialökonomie statt, an der ca. 40 Leute in Präsenz und einige weitere online teilnahmen. Es ist deutlich geworden, dass es einen riesengroßen Bedarf nach Diskussion und Austausch jenseits von Zoom-Seminaren und asynchroner Lehre gibt – insbesondere auch bei Erstsemester-Studierenden.

Wir haben uns zunächst gemeinsam darüber geärgert, dass man durch das Digitalsemester schlecht mit seinen Kommiliton*innen in Kontakt treten kann, sowohl in den Kursen als auch darüber hinaus. Davon ausgehend haben wir diskutiert, wie Studium, Uni und Wissenschaft anstattdessen gestaltet sein müssen, damit sie zu einer positiven Lösung dieser Krise beitragen. Wir haben diesbezüglich diskutiert, dass es kritische Wissenschaft braucht und Studium als Teil dieser verstanden werden muss und wir uns in den Kursen mehr mit aktuellen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Armut, Krieg, Rassismus, usw. beschäftigen wollen und müssen. Wir haben diskutiert, dass es dafür eine solidarische Uni braucht (gerade in diesen Zeiten) und es statt um Prüfungen und Leistungspunktejagd mehr um gemeinsames, sinnvolles Lernen und emanzipatorische Bildung gehen muss. Und wir haben diskutiert, dass wir dafür auch schnellstmöglich wieder zur Präsenzlehre zurückkehren müssen – da ein weiteres digitales Semester und Lehrveranstaltungen “als Youtube-Videos” schwer aushaltbar und nicht sinnvoll sind. Aufbauend auf diese Diskussionen haben wir schließlich diese Resolution als Vollversammlung beschlossen.

Offener Brief an Hamburger Senat von Fachschaftsräten der Universität Hamburg

Diesen offenen Brief haben wir als FSR Sozialökonomie gemeinsam mit dreizehn anderen Fachschaftsräten der Uni Hamburg zum Start des ‘Digitalsemesters’ an die Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und den gesamten Hamburger Senat verfasst. 

 

Sehr geehrte Frau Fegebank, sehr geehrte Mitglieder des Senats der Hansestadt Hamburg,

die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 haben fortgesetzt und gesteigert erhebliche negative Auswirkung auf die soziale Lage insbesondere auch einer Großzahl der Studierenden. Des Weiteren haben die Wissenschaftsbehörde und die Leitungen der Hochschulen beschlossen, das Sommersemester 2020 als „Digital-Semester“ beginnen zu lassen.

Für die daraus resultierenden Probleme mangelt es derzeit erheblich an angemessenen Kompensationen.
Die unterzeichnenden Fachschaftsräte fordern Sie daher zu folgenden Maßnahmen auf:

1.) Die Einrichtung einer angemessenen sozialen Unterstützung der Studierenden – restriktionsfrei 900,- € monatlich als Vollzuschuss.

Im Rahmen des bislang eingerichteten Notfonds besteht die Möglichkeit eines monatlichen Darlehens in Höhe von 400 €. Das geht an der sozialen Realität vorbei:

a.) Die Lebenshaltungskosten werden nicht geringer, von 400 € kann man in Hamburg nicht Leben. Die Fördersumme muss erhöht werden auf den studentischen Durchschnittsbedarf. Das sind laut Studierendenwerk 900,- € monatlich.

b.) Wir Studierenden werden, wenn die gemeinsame Überwindung der Krise gelingt, hinterher nicht über größere Überschüsse verfügen. Die Auflage der Rückzahlung ist daher sozial unzumutbar. Der Hilfsfonds ist daher als Vollzuschuss einzurichten.

c.) Der Staat selber hat die Maßnahmen angeordnet, die nun zu den Verdienstausfällen und sozialen Härten führen. Es ist daher unnötig, dass die Studierenden diese auch noch nachweisen müssen. Der Zuschuss ist daher restriktionsfrei und unbürokratisch zu vergeben.

2.) Erkennen Sie an: Digitale Lehre kann das gemeinsame Lernen in Präsenz und gegenseitiger Begegnung nicht ersetzen.

Es ist in der Hochschuldidaktik wissenschaftlich erkannt und auch unser aller praktischer, derzeit intensive Erfahrung: Der Einsatz digitaler Medien kann – vernünftig und gezielt umgesetzt – Erkenntnisprozesse in Präsenzveranstaltungen unterstützen, er kann sie – allemal als Notnagel eingesetzt – nicht ersetzen. Alle in der Wissenschaft tätigen wissen das, also sprechen Sie es auch öffentlich laut aus. Die Konsequenz muss sein: Solange im Sommersemester 2020 Präsenzlehre nicht der Regelfall ist, ist es kein regelhaftes Vollsemester. Das über digitale Angebote realisierte Studium darf daher nicht mit der Erwartung an die Studierenden verbunden werden, regelhafte Studienleistungen zu erbringen. Wer möchte, soll können, aber: Alle in diesem Semester erbrachten Studienleistungen müssen ohne Einschränkungen in einem regelhaften Semester wiederholt werden können. Wir alle haben das Recht auf Wissenschaft, Lehre, Studium und Bildung auf höchst möglichem Niveau und haben nicht verdient, mit einer ungenügenden Nachbildung abgespeist zu werden.

3.) Die wissenschaftlichen Bibliotheken sind unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen wieder zu öffnen.

Wissenschaft braucht Bücher. Studierende und Lehrende benötigen daher wieder Zugang zu den Bibliotheken. Diese sind bereits jetzt unterfinanziert. Daher sind großzügig Mittel bereit zu stellen, die allen Bibliotheken die Einrichtung geeigneter Schutzmaßnahmen (z.B. Plexiglasvorrichtungen etc.) ermöglicht.

4.) Alle Fristen in Hochschule, bei Ämtern, Krankenkassen etc. sind um 1 Jahr auszusetzen.

Wegen der sozialen Belastungen und der Einschränkungen im Studium kommt es unvermeidlich zu Verzögerungen im Studium. Diese Belastungen werden mit der Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen auch nicht sofort verschwinden und die Lehrveranstaltungsplanung ist häufig jahresweise angelegt. Es sind daher die Fristen im Studium und beim Studierendenwerk, für BAföG und Krankenkassen, bei Ämtern und der Ausländerbehörde, etc. für ein Jahr auszusetzen.

Wir hoffen auf eine positive Rückmeldung und verbleiben mit Erwartungsvollen Grüßen

Fachschaftsrat Archäologie
Fachschaftsrat Bewegungs- und Gesundheitswissenschaften
Fachschaftsrat Chemie
Fachschaftsrat Erziehungswissenschaft
Fachschaftsrat Gewerbelehramt
Fachschaftsrat Handelslehramt
Fachschaftsrat Holzwissenschaft
Fachschaftsrat Islamwissenschaften
Fachschaftsrat Lateinamerika-Studien
Fachschaftsrat Lehramt allgemeinbildende Schulen
Fachschaftsrat Molecular Life Sciences
Fachschaftsrat Sonderpädagogik
Fachschaftsrat Sozialökonomie
Fachschaftsrat Sozialwissenschaften

 

1. Mai 2020

 

Den offenen Brief findet ihr hier auch noch einmal als PDF.

 

Erklärung des FSR Sozialökonomie zur aktuellen Lage: Kritische Wissenschaft statt Autoritarismus

Albert Einstein wird folgendes Zitat zugesprochen: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder dasGleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Die ‚Corona-Krise‘ ist keine Naturkatastrophe, sondern eine gesellschaftliche Krise. Aktuell wird zugespitzt deutlich, was schon vorher ein Problem war. Als Wissenschaft(ler*innen) haben wir die Verantwortung, die sozialökonomischen und politischen Ursachen zu durchleuchten und für radikale Änderungen zu streiten, die die Krise lösen und für die Zukunft unmöglich machen. Die Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, denen wir uns als Hochschule verschrieben haben, steht mit größter Dringlichkeit auf der Tagesordnung.

Worin besteht die Krise? Was ist zu tun? Eine Diskussionseröffnung

Gesellschaftlich erleben wir zurzeit eine sehr dynamische Entwicklung, in der sowohl Gefahren als auchChancen liegen. Beides zu erkennen und zu bearbeiten, gilt es mit neuer Qualität zu unternehmen.

Wir haben es immer noch mit einem profitorientierten Gesundheitssystem und einer privatwirtschaftlichorganisierten Pharmaindustrie zu tun, welche bisher nicht in der Lage waren, Menschen vollumfänglich zu gesunden. Einem erhöhten Bedarf können sie folglich erst recht nicht gerecht werden. Auch sozial wird die zuvor bereits existenzbedrohende (und auch gesundheitsschädigende) Dimension von Armut undPrekarität zugespitzt und neu deutlich. Notwendig sind dagegen bedarfsgerechte Investitionen und die Demokratisierung von Gesundheitswesen, sozialer Sicherung und Beschäftigungsverhältnissen.Ökonomisch stehen wir derzeit vor einer dramatischen Verwertungskrise, die in der Folge zu massiven Nachfrageeinbrüchen führen wird. Selbst Vertreter neoliberaler Politik wie Scholz und Macron stehen mittlerweile unter dem Druck, Abstriche zu machen beim freien Markt (Schuldenbremse „aussetzen“ und Privatisierungskritik), was deutlich macht, dass die schon lange geforderte menschengemäße Neuorganisierung im Gemeinwesen über diese Zugeständnisse hinaus lange möglich und nötig ist.Dennoch beantwortet die herrschende Politik ihre Legitimationskrise mit restriktiven Maßnahmen und Autoritarismus.

Anstatt flächendeckende Tests und sozial gesicherte Quarantäne bei einer Infizierung zu organisieren,wird das gesellschaftliche Leben für Alle massiv eingeschränkt, bis vollständig abgesagt. Die Bewältigung der Krise soll somit wieder – und noch einmal zugespitzt – eigenverantwortlich und individualisiert vonstattengehen. Dies führt zu einer Privatisierung der realen Krisenursachen und auchzu einer massiven Vereinzelung. Dabei trifft diese unverhältnismäßige totale Isolation diejenigen amstärksten, die bereits prekär sind und führt damit zu einer zusätzlichen Verschärfung der sozialen Lage: Große Teile der staatlich organisierten Sozialhilfe, und auch zivilgesellschaftliche Einrichtungen werden infrage-, wenn nicht eingestellt. Selbst vor spontaner Unterstützung oder Gesprächen soll man auf der Hut sein. Nicht nur werden dadurch die Mitmenschen – anstatt des Virus – zum Feind gemacht, auch dasmenschliche Sein wird auf Nahrungsaufnahme, Toilettenpapier und Lohnarbeit reduziert. DieGrundrechte – eine Konsequenz aus der Befreiung vom deutschen Faschismus – derVersammlungsfreiheit, Freizügigkeit, Wissenschaftsfreiheit, Berufsfreiheit, des Asyls etc. werden imEiltempo und auf rechtlich nicht vorhandener Grundlage bis zur Unkenntlichkeit eingeschränkt bzw.untergraben und als Luxus dargestellt. Auf dieser hergestellten Ohnmacht und Vereinzelung können dieRechten gefährlich ihre braune Suppe kochen und den „starken Mann“ bzw. „die Nation“ als vermeintlichLösung in Stellung bringen.

Inwiefern das sogenannte Social Distancing zur Gesundhaltung und -werdung Aller beitragen soll, ist damit mehr als in Frage gestellt. In der Salutogenese ist die Handhabbarkeit, Verstehbarkeit und Sinngebung der subjektiven und kollektiven Lebensgestaltung die zentrale Grundlage für Genesung.Aufgeklärtes, demokratisches Leben in sozialer Sicherheit (unter Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen) ist also die zentrale Stellschraube zur Bekämpfung des Virus. Deswegen sind politische Verständigung, eingreifende Wissenschaft und Demokratie als Alltagsprinzip in Zivilgesellschaft und Produktion das Gebot der Stunde.

Viele dieser Fragen werden am Fachbereich Sozialökonomie bereits bearbeitet und müssen dringendintensiv(er) diskutiert werden. Deswegen fordern wir den Unibetrieb so bald wie möglich wiederaufzunehmen, damit unsere wissenschaftliche Tätigkeit nunmehr real zur Erklärung und Lösung derKrise beitragen kann. In der kommenden Zeit muss es in der Einheit von Forschung und Lehre darum gehen, zu diskutieren, was sich dafür gesellschaftlich ändern muss. Dass das möglich ist, sehen wir anden beiden Themensemestern zu Austeritätspolitik und dem Pflegenotstand, die der Fachschaftsrat in denvergangenen Jahren (mit)organisiert hat. Ein Zurück zur Normalität kann es nicht geben, denn sie ist es,die uns diese Misere beschert hat. Deswegen heißt es auch an der Uni: Nutzen wir jetzt die Gelegenheit, in allen möglichen Forschungs- und Lehrzusammenhängen an sozialökonomischen Perspektiven inZeiten massiver gesellschaftlicher Polarisierung zu arbeiten und dafür das diesjährige Themensemesterzur Hauptaktivität der kommenden Zeit zu machen. Nie war es wichtiger, als Mitglieder der Universität „zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft“ (Leitbild UHH) beizutragen!

Um in diesem Sinne als Hochschulmitglieder wirken zu können, brauchen wir entsprechende soziale unddemokratische Bedingungen. Als Hochschule haben wir die Verantwortung, die soziale Sicherheit allerMitglieder in den Blick zu nehmen. Von der dauerhaften Bezahlung unserer Kolleg*innen im Wachdienstund der Aussetzung der Zahlung von Miete und Semesterbeitrag, über die Vertragsverlängerung vonTutor*innen, SHKs und Lehrbeauftragten, bis hin zu einer generellen Grundsicherung für Studierende istjetzt viel zu tun. Den verhängten universitären Ausnahmezustand in Form von autoritärer Krisenstab-Politik gilt es zugunsten demokratischer, mitgliedergruppenübergreifender Verständigung auf allenEbenen zu beenden. Die demokratischen Gremien (Fachbereichs- und Fakultätsrat,Fachgebietsausschüsse und der Ausschuss für Studium und Lehre) müssen dafür in höherer Taktungtagen. Denn wir brauchen die Klugheit aller.

Hier findet ihr die Stellungnahme auch als pdf.