Rund um die OE

28.01.2018

Für kritisches Denken statt nur Gedachtes: Gegen die Kürzungen der Orientierungseinheit!

Unserer Orientierungseinheit im Bachelor Sozialökonomie soll es an den Kragen gehen. Eine Mehrheit des Fachbereichsvorstandes hat die Kürzung des aktuellen Budgets um satte 60% ab dem kommenden Semester beschlossen. Damit würde durch die Minimierung der Aufwandsentschädigung für die 24 TutorInnen die OE mittelfristig ausgeblutet werden. Offiziell werden finanzielle Sachzwänge als Begründung herangezogen. Doch der wirkliche Grund ist unserer Einschätzung nach die Angst vor einer OE, die sich nicht als Top-Down-Erziehung zu KonsumentInnen im Bachelor-Master-Supermarkt versteht. Sondern als gemeinsame Befähigung zum kritischen Eingreifen in Hochschule und Wissenschaft.

Orientierung wofür?
Die Geschichte von Orientierungseinheiten ist eine Geschichte des Streits um die richtige Orientierung. Es geht darum, die Abhängigkeit und Veränderbarkeit der Universität als Teil der Gesellschaft zu erkennen und selbstbewusst zu gestalten, anstatt im Rahmen restriktiver Vorgaben zu „funktionieren“. Gegen die Verschulung, Vereinzelung und bloße Arbeitsmarktorientierung des Bachelor-Master-Studiums kann gerade in den Orientierungseinheiten ein solidarisches Verständnis von Bildung und Wissenschaft diskutiert und gemeinsam erarbeitet werden. Denn WissenschaftlerInnen sind keine Dienstleister, Studierende keine Kunden und Bildung keine Ware. Praktisch ist dies mit der Herausforderung verbunden, die OE so zu organisieren, dass sich Studierende kontinuierlich mit den an sie gestellten Erwartungen seitens Universität und vertraut machen und dazu Souveränität und Handlungsfähigkeit entwickeln können.

Sozialökonomie untersucht in interdisziplinärer Vorgehensweise die Wechselwirkungen von Wirtschaft und Gesellschaft hin auf die Lösung (praxis)relevanter Probleme. Dafür braucht es eine argumentative Kultur des Hinterfragens auf Augenhöhe statt der Erziehung zu Unterwürfigkeit gegenüber „Autoritäten“. Kurz: Gesellschaft, Universität und Sozialökonomie versteht man am besten, wenn man sie selber bewusst (besser) machen will und gemeinsam lernt, wie’s geht. Insofern ist unsere Orientierungseinheit vor allem eine solidarisierende und aktivierende Einführung. Dafür braucht es Geschichte!

Ein Gespenst geht um am Fachbereich: die Hochschule für Wirtschaft und Politik!

Was genau ist eigentlich der Sinn des Interdisziplinären Grundkurs? Warum gibt es im ersten Studienjahr bei uns keine Noten und woher kommt das? Wieso studieren hier Menschen ohne Abitur? Keine dieser Fragen ist zu beantworten, ohne zu wissen, dass die Geschichte unseres Fachbereichs mit der Gründung der Akademie für Gemeinwirtschaft durch Gewerkschaften, Genossenschaften und SPD am 15. November 1948 beginnt. Die daraus hervorgegangene Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) forschte gewerkschaftsnah, die Hochschulorganisation gehörte zu den demokratischsten der BRD, forschendes Lernen war in interdisziplinären Projektzusammenhängen realisiert, es gab eine vitale Kultur eigenständiger Forschung(sförderung) und unzählige Studierende entwickelten sich mit offenem Hochschulzugang jenseits vorgefertigter Bahnen. Nur die Aneignung dieser Geschichte lässt uns den heutigen Fachbereich und Möglichkeiten der Veränderung verstehen. Daraus können wir viel lernen! Deswegen erarbeiten wir uns in der OE ausgiebig die konflikthafte Gewordenheit unseres Fachbereichs, diskutieren über „Sozialökonomie“, „Café Knallhart“, „Bildung statt Bologna“ und „(Akademie für) Gemeinwirtschaft“; schauen auf die Entstehung Studentischer und Akademischer Selbstverwaltung anhand von „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“; reflektieren die Interessenkonflikte um ein „perfektes Studium“ und leben gesellschaftlich eingreifende Interdisziplinarität durch eine Podiumsdiskussion anhand brennender Fragen. Insbesondere diese Ausgestaltung des Mittwochs und Donnerstags soll nun nicht mehr sein, wenn es nach einigen Fachbereichmitgliedern geht. Faktisch soll das Kleingruppenkonzept zur Selbsterarbeitung des Studieneinstiegs transformiert werden in Power-Point-Karaoke.

Das werden wir nicht akzeptieren! Dafür wollen wir auch aus dem Gespenst der HWP (wieder) eine historische Bezugsmöglichkeit für gemeinsames Lernen und Lehren am Fachbereich machen. Dazu trägt die OE maßgeblich bei. Deswegen engagieren wir uns für die sofortige (SoSe 2018) Wiederaufstockung der Mittel für die Orientierungseinheit des Bachelors Sozialökonomie auf mindestens die bisherigen 60.000 € pro Jahr (zwei OEn). Wir haben eine Petition gestartet, die ihr unterschreiben und verbreiten könnt! Dafür können wir u.a. auf dem Beschluss des Ausschuss für Lehre und Studium aufbauen, welcher am 13.12.17 beschlossen hat, „kurzfristig mehr Mittel für die Orientierungseinheit im Kalenderjahr 2018 [zu fordern]. Mittel- und langfristig benötigt der Fachbereich Sozialökonomie eine höhere finanzielle Grundausstattung um inhaltlich souverän entscheiden zu können und die OE adäquat zu finanzieren“.

www.openpetition.de/!oekuerzung

 


20.12.2017

Die Orientierungseinheit ist ein wichtiger Bestandteil der Fachbereichskultur. Momentan gibt es Auseinandersetzung am Fachbereich um die Finanzierung und Durchführung der OE.

Wir wollen diese mit euch teilen. In den nächsten Tagen ergänzen wir die Informationen und Materialien.

 

Für kritisches Denkens statt nur Gedachtes!

Aktuelle Infos findet ihr auch auf facebook unter: FCK.KRZNGN und FSR SozÖk