Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat

Gemeinsamer Aufruf zur Wahl des Fakultätsrates für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Fachbereichs-listen: „Wi.Sozialökonomie“, „Plurale Ökonomik“und „Liste für Solidarität und Demokratisierung“

„Our civilization is being sacrifized for the opportunity of a very small number of people to continue making enormous amounts of money. (…) And if solutions within the system are so impossible to find then maybe we should change the system itself. (…) We have come here to let you know that change is coming, wether you like it or not. The real power belongs to the people.“
Greta Thunberg, aus ihrer Rede zum Plenum der U.N. in Katowice (Polen), Dezember 2018

Nicht erst seit dem „Zerstörungs“-Video von Rezo ist die Sache klar: wir haben als Menschheit noch circa 10 bis 15 Jahre, die Emission von Treibhausgasen radikal zu reduzieren, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Das wird nicht gelingen, ohne an die Grundfeste unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems zu gehen. Für 71% aller Treibhausgase, die seit 1988 in die Atmosphäre gepustet wurden, sind nur 100 Konzerne verantwortlich. Unter den zehn größten CO²-Emittenten der EU befinden sich neun Kohlekraftwerke, sieben davon in der Hand der deutschen Energie-Oligopolisten. Wer also von der Konversion des Energiesektors in demokratische Hand und Bedarfs- statt Profitorientierung nicht reden will, sollte auch vom Klimawandel schweigen.

Dies gilt auch für die anstehenden Fakultätsrats-Wahlen: wir haben unser Schicksal in der Hand und entscheiden aktiv mit, ob wir als Uni Hamburg als tatsächliche „Universität der Nachhaltigkeit“ zur Realisierung der Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) beitragen, indem wir global für ein Ende von Armut, Hunger, Krieg und Naturzerstörung sowie für gute Arbeit, Bildung, sauberes Wasser für alle und die Überwindung von Klimawandel und Ungleichheit kämpfen. Oder ob die im Struktur- und Entwicklungsplan der Uni Hamburg festgehaltene SDG-Orientierung nur als Marketing-Gag genutzt wird, um den Status der Exzellenzuniversität zu erhalten und damit ganz im Sinne der Exzellenzstrategie profitorientierte Wissenschaft im Interesse Weniger zu betreiben.

In Zeiten von Klimawandel, steigender sozialer Ungleichheit, aufsteigendem Nationalismus und Rassismus und globaler Aufrüstung auf der einen Seite und Fridays For Future, die Berliner Volksinitiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“, #unteilbar, „International Solidarisch – Schluss mit Austerität“ sowie die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) auf der anderen Seite, haben emanzipatorische Bildung und kritische Wissenschaft eine wichtige Bedeutung, indem sie uns die Welt in ihrer historischen und gesellschaftlichen Entwicklung begreifen lassen und aufzeigen, dass sie von Menschen gemacht und veränderbar ist und wir selbst damit in der Lage sind, diese zu verbessern. „Die Philosophen haben die Welt nur verschiedeninterpretiert, es kömmt drauf an sie zu verändern“.Als Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (SozÖk, SoWi, VWL) konnten wir bereits Einiges in diese Richtung auf den Weg bringen: von zahlreichen SDG-Patenschaften, der Realisierung von Themensemestern (u.a. zu „Austerität vs. Solidarität“), kritischer Intervention in den Lehrplan (u.a. „Plurale Ökonomik“), der zukunftsgerichteten Aufarbeitung der Fachgeschichte (u.a. Pferdestall und HWP-Projektstudium) bis zu Aufruf und Teilnahme an der Marathonlesung „Nie wieder Bücherverbrennung!“

Um dieser Orientierung zum Durchbruch zu verhelfen, brauchen wir entgegen der umfassend gescheiterten „Unternehmerischen Hochschule“ umfassendes Engagement für eine kritisch-wissenschaftliche, emanzipatorisch-bildende, sozial nachhaltige und demokratische Hochschule. In der kommenden Amtszeit des Fakultätsrats wollen wir uns daher fachbereichs- und mitgliedergruppenübergreifend u.a. einsetzen für:

  • partizipatives, kooperatives und kollegiales Miteinander aller an der Hochschule Tätigen, deswegen für demokratisch selbstverwaltete Institute statt professoraler Fürstentümer
  • unbefristete Stellen im wissenschaftlichen, technischen und Verwaltungs-Mittelbau (Frist ist Frust!) sowie elternunabhängiges BAföG ohne Rückzahlungspflicht (Studienhonorar)
  • Wissenschaft und Studium zur Lösung epochaler Schlüsselprobleme (SDGs!) statt Drittmittel-Jagd und Creditpoint-Hetze, deswegen Abschaffung der sog. Leistungsorientierten Mittelvergabe (LOMI) und die radikale Reduzierung der Prüfungslast

All das wird nur in Einheit mit einer massiven Ausweitung der Grundfinanzierung der Hochschule und damit der Überwindung der Politik der schwarzen Null und der Abschaffung der Schuldenbremse gelingen, deswegen engagieren wir uns in der Kampagne „International Solidarisch – Schluss mit Austerität“ und der Volksinitiative „Schuldenbremse streichen!“

Die Frage danach, wie politisch und gesellschaftlich eingreifend Wissenschaft sein darf, kann und muss, ist nicht nur für die Wahlen zum Fakultätsrat und zu anderen Gremien der universitären Selbstverwaltung von Bedeutung, sondern begleitet uns gerade in den aktuellen Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung immer in unserem Studienalltag: Beschäftigen wir uns wissenschaftlich mit den Ursachen gesellschaftlicher Probleme, um anhand der erlangten Erkenntnisse zur Lösung dieser beizutragen? Oder beugen wir uns dem Druck, unser Studium als Leistungspunktejagd und Investition in unser Humankapital zur besseren Verwertung am Arbeitsmarkt durch profitorientierte Konzerne zu verstehen? Nehmen wir unser Schicksal gemeinsam in die Hand? Oder fügen wir uns organisierter Belanglosigkeit und dem neoliberalen Dogma der Alternativlosigkeit?

Lasst uns deshalb gemeinsam durch die Wahl der links-progressiven Listen bei der Fakultätsratswahl und durch unser Alltagshandeln unsere geschichtliche Veränderungsmöglichkeit wahrnehmen und im Sinne der SDGs für eine Welt ohne Armut, Hunger und Kriege, für eine Welt mit guter Arbeit, Bildung, Gesundheit, Geschlechtergleichheit, öffentlicher Infrastruktur, nachhaltiger Energiegewinnung, Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und Frieden für alle eintreten. Also geht wählen, aber vor allem: wählt, selbst aktiv zu werden.

„Wir können es ändern. Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte, die unfähig sind, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Das haben sie uns jahrhundertelang eingeredet. (…) Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit…“ 
Rudi Dutschke im Gespräch mit Günter Gaus, 3.12.1967.

Hier findet ihr das Flugblatt auch als pdf.

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